Einzelmensch und Gemeinschaft
Das seelische Ziel in der Revolution des 20. Jahrhunderts ist
der Übergang vom Materialismus zum Idealismus. Der Materia—
lismus ist die Frucht eines Systems der Verantwortungslosigkeit und
der Masse. Der Idealismus ist die Unterordnung des eigenen Ich
unter die Erfordernisse einer größeren Gesamtheit von Menschen. Die
Menschen selbst sind die Frucht ihrer Erziehung. Erziehung im weiteren
Sinne ist die gültige Ordnung des Lebens der Menschen.
Wenn der einzelne Mensch aus seiner materialisti—
schen Lebensordnung und einer damit verbundenen ma—
terialistischen Weltanschauung zum Idealismus ge—
führt werden soll, so muß er in eine Lebensordnung
versetzt werden, deren erzieherisches Ergebnis das Be—
kenntnis zum Idealismus ist.
Der Einzelmensch steht zur Gemeinschaft in einem anderen Ver—
hältnis als zur Masse. Er wurzelt in der Gemeinschaft mit seiner
Seele. Der deutsche Mensch wird um so mehr mit seiner Seele in
der Gemeinschaft wurzeln, weil der ganze Inbegriff einer historisch
gewordenen Sehnsucht seine Verwirklichung nur im Geiste der Ge—
meinschaft finden kann. Wenn die Lebensordnung der Gemeinschaft
den Idealen deutscher Art entspricht, dann ist der Einzelmensch auch
mit der Gemeinschaft so verbunden, wie die Lehre des Freiherrn vom
Stein sie von dem Volksstaat der Zukunft fordert. Das Treubekennt—
nis des Einzelmenschen zur Gemeinschaft, das in ihm erwachende
Gemeinschafts⸗ oder Heimatsgefühl ist dann gleichbedeutend mit der
Wiedergeburt wohlverstandenen Nationalgefühls, wenn die so ge—
schaffene Gemeinschaft dem Einzelmenschen Volk und Staat verkörpert.
Das Wesen einer jeden politischen und nationalen Ordnung besteht
darin, dem Verhältnis zwischen Einzelmensch, Familie, Volk und
Welt den richtigen Sinn und den richtigen Klang zu geben. Wenn der
Einzelmensch im richtigen Verhältnis zu einer Gemeinschaft steht,
welche ein Teil von Volk und Staat ist, dann ist alles weitere nur
noch eine Frage des Einbaues dieser Gemeinschaft in die gesamte
Struktur des Volksstaates. Es findet also der deutsche Mensch sein
wahres nationales Verhältnis zum Volksstaat auf dem Wege über
die Genteinschaft wieder.
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