Full text: Das Jungdeutsche Manifest

In dieser natürlichen Folge des Gemeinschafts— 
tsebens wird der staatsbürgerlichen Forderung des 
20. Jahrhunderts nach der neuen Bewertung des Men— 
schen Genüge getan. 
Die Gemeinschaft als Erzieher zum neuen Wert 
Im Zeichen des Untertanentums und der Masse sind dem deutschen 
Volkstum die ureigensten sittlichen Güter verlorengegangen, deren 
sich das deutsche Volk stets gerühmt hat. Die Seelenlosigkeit von 
Untertanentum und Masse ließ die deutsche Seele verkümmern. Das 
deutsche Volk verfiel einem sittlichen Niedergang, welcher selbst großen 
Idealisten die Hoffnung auf die Möglichkeit eines Aufstieges ge— 
nommen hat. Dieser zweifellos vorhandene Niedergang wird im jung— 
deutschen Kampfe und in der Beurteilung dieses jungdeutschen Mani— 
festes als das größte Beweismittel angeführt werden, daß der jung— 
deutsche Staatsgedanke auf einer Unmöglichkeit, nämlich der sittlichen 
Erhebung des deutschen Menschen, aufgebaut ist. Die Gegner des 
Volksstaates werden diese Vorbedingung seines Bestandes als Beweis 
für die Unmöglichkeit seiner Begründung anführen. Sie werden die 
Möglichkeit des Volksstaates zugeben, wenn das deutsche Volk eine 
andere sittliche Grundlage hätte. Sie werden fordern, daß man erst 
dann an die Begründung des Volksstaates denken dürfe, wenn diese 
sittliche Wandlung vollzogen ist. 
Dieser Wandel vollzieht sich aber erst in der Gemeinschaft, welche 
der Volksstaat erzwungen hat. Die Entfesselung des Gemeinschafts- 
lebens zwingt den deutschen Staatsbürger, die sittlichen Güter in 
seinem Herzen wieder zu befestigen, welche ihm verlorengegangen sind. 
Das Leben der Gemeinschaft ist dem Gären des 
Mostes vergleichbar. Naturtriebe sind es, welche die 
Fremdkörper herausstoßen, damit edler Wein aus dem 
Most werde. 
Dieser Naturtrieb zur Veredelung und Ausstoßung der Fremd— 
körper wohnt der Gemeinschaft inne. Die Gemeinschaft war es, welche 
die sittlichen Grundgesetze im deutschen Volksstum geboren hat. Darum 
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