fullscreen : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3.  Römer  und  Griechen,  Araber  und  Italiener.

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womit  vielleicht  noch  unser  frommer  Wunsch:  „Ich  wollte,  du  wärest,  wo  der  Pfeffer
wächst",  zusammenhängt.  Wenn  daher  die  Phönizier  als  Mitbegründer  der  Naturwissenschaften ­
  genannt  werden,  so  müssen  sie  doch  auch  als  Arheber  zahlreicher  Märchen
bezeichnet  werden,  die,  zum  eigenen  Vorteil  von  jenen  klugen  Kaufleuten  erfunden,  bis
in  eine  späte  Zeit  hinein  die  Köpfe  verwirrten.  Den  Sagen  von  Cyklopen,  Sirenen,
und  Lästrygonen  begegnet  man  an  solchen  Orten,  wo  Phönizier  Lande!  und  Schiffahrt
trieben.  Lange  wurden  solche  Erzählungen  von  den  Griechen  und  anderen  Europäern
für  bare  Münze  genommen.  Später  ffeilich  zürnten  die  Griechen  über  ihre  Leichtgläubigkeit, ­
  und  dann  ward  der  Ausdruck  „phönizische  Lügen"  zu  einem  Sprichwort.
Durch  jene  abenteuerlichen  Erzählungen  von  ungeheuren  Gefahren,  die  den  Seefahrer
in  fernen  Meeren  bedrohen,  sollten  aber  nicht  nur  die  Preise  erhöht,  sondem  auch  Konkurrenten ­
  von  der  Nachfolge  abgeschreckt  werden.  Denn  vor  allem  strebten  die  Phönizier
nach  dem  Monopol,  diesem  Wunderstab  und  Zauberring  eines  jeden  echten  Kaufmannsvolkes. ­
  Ihre  Landelspolitik  ging  immer  auf  das  Monopol  los.  Der  Karthager  Lanno
drohte  einst:  „Nicht  einmal  ihre  Lände  sollen  die  Römer  im  Meere  waschen  dürfen."
Wen  erinnern  nicht  diese  Worte  an  die  Aussprüche  William  Pitts,  des  späteren  Lord
Chatam:  „Nicht  eine  Kanone  darf  auf  dem  Meere  gelöst  werden  ohne  Erlaubnis  von
England",  und  dann  wieder:  „Nicht  ein  Lufnagel  soll  in  den  englischen  Kolonien
fabriziert  werden?"  And  derselbe  Dio  Cassius,  welcher  uns  jene  merkwürdigen  Worte
Lannos  aufbewahrte,  läßt  auch  Cäsar,  als  er  seine  Offiziere  zum  Angriff  auf  Ariovist
bestimmen  will,  folgendes  sagen:  „So  lange  wir  die  Karthager  in  Afrika  ruhig  ließen,
schifften  sie  nach  Italien  hinüber,  durchschwärmten  das  Land  und  zerstörten  die  Städte."
Ganz  dieselbe  Tatsache,  daß  die  Punier  es  besonders  auf  die  Städte  abgesehen  hatten,
berichtet  uns  von  den  Phöniziern  der  belesene  Kirchenvater  Eusebius.  Derselbe  hat
uns  eine  wahre  Enthüllung  hinterlassen,  indem  er  sagt:  „Die  Phönizier  bewachten  ihre
Kolonien,  daß  niemand  mit  denselben  Verkehr  treiben  und  sie  bereisen  konnte.  Dies
bewirken  sie  dadurch,  daß  sie  die  Länder  ihrer  Grenznachbarn  beständig  verwüsteten
und  darauf  bedacht  waren,  deren  Städte  zu  vermindern."  Besonders  bezeichnend  ist
hier  die  Absicht  einer  Verminderung  der  Städte.  Von  bloß  landbautreibenden  Ländern
fürchteten  die  Phönizier  nichts,  denn  das  waren  ja  Konsumenten  ihrer  Industrieprodutte
und  überdies  Länder,  dünn  bevölkert,  arm  und  unmächtig;  aber  die  Städte  waren  ihnen
verhaßt  als  Konkurrenten,  die  durch  Kapitalbesitz,  Lande!  und  Industrie  ihren  Gewinn
schmälern  konnten!

3.  Römer  und  Griechen,  Araber  und  Italiener.
Von  Joseph  Grunzel.

GrunzeI,  System  der  Handelspolitik.  Leipzig,  Duncker  &  Humblot,  >M.  5.  29—54,
Die  Griechen  besaßen  für  den  Lande!  keine  besondere  Wertschätzung,  denn  sie
betrieben  vorwiegend  Ackerbau  und  überließen  die  kaufmännische  Tätigkeit  den  Phöniziern.
Eine  Änderung  brachte  die  Wanderung  der  griechischen  Stämme  hervor,  welche  zu
einer  Übervölkerung  im  Süden  und  in  weiterer  Folge  zur  Besiedelung  der  kleinasiatischen
Küstenlandschaften  führte.  Die  große  Fruchtbarkeit  lind  die  reiche  Gliederung  der
kleinasiatischen  Küste  begünstigten  den  Landelsverkehr  der  Pflanzstätte  mit  der  Leimat;
der  gleichzeitige  Niedergang  des  phönizischen  Landels  eröffnete  den  Griechenstädten  den
Weg  zur  Beherrschung  im  Ägäischen  und  Schwarzen  Meere.  Die  Perserkriege
machten  dieser  Blütezeit  ein  Ende,  erhoben  aber  dafür  Athen  zur  Vormacht  der
M  01  l  a  t,  Volkswirtschaftlicher  Lesebuch.  5
            
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