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Die einzelnen Wirtschaftszweige etc,
erfaßt, so daß sie größtenteils gar nicht das Geld haben,
um Anschaffungen von Maschinen vornehmen oder notwendige
Verbesserungen durchführen zu können. In vielen Fällen wirkt
die Gutsaufteilung auch wohl insofern ungünstig auf die
Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft ein, daß etwa ein Guts-
besitzer, der auf einen fortschrittlicheren Betrieb eingerichtet
ist, genötigt wird, einen großen Teil seines Besitzes an Indianer
abzugeben, die noch ganz in den primitiven Anbaumethoden
ihrer Väter befangen sind. Die Regierung sucht nun allerdings
diese Schädigung dadurch zu verringern, daß sie in den ein-
zelnen Staaten Lehrgüter einrichtet, auf denen die Indianer mit
der modernen Landwirtschaft bekanntgemacht werden sollen;
auch sollen den Indianern Darlehen gewährt werden, für die
sie nur geringe Zinsen zu zahlen haben und die sie unter gün-
stigen Bedingungen abzahlen können — an sich zweifellos eine
gute Idee, die durch Gründung einer landwirtschaftlichen Bank
bereits festere Formen bekommen hat, aber mir scheint, daß
die Idee mit der Psyche des Indianers nicht genügend gerechnet
hat und daß sie darum später doch auf große Schwierigkeiten
stoßen wird, denn der Indianer ist für eine Kreditwirtschaft jetzt
ebenso wenig reif, als er es 1857 für das Privateigentum ge-
wesen ist. Immerhin hat er sich bereits mehr an die modernen
Pflüge an Stelle der Holzpflüge gewöhnt, aber z. B. zur Ver-
wendung moderner Eggen kann er sich noch nicht entschließen,
wie denn selbst die Mehrzahl der größeren Landwirte sich ihrer
noch nicht bedient.
Ein Hauptgrund für die verhältnismäßig niedrige Gesamt-
leistung der mexicanischen Landwirtschaft ist ja eben das zähe
Festhalten an althergebrachten Werkzeugen, Kulturmethoden
und Kulturgewächsen. Die Hektarerträgnisse für Mais, Weizen
u. a. gehören zu den niedrigsten auf der Erde! Die Regierung
war ja freilich schon in Diaz’ Zeiten eifrig bestrebt, hier
Wandel zu schaffen durch Veröffentlichung einschlägiger Auf-
sätze und Anleitungen, durch freie Verteilung von Samen und
Setzlingen neuer oder noch nicht hinreichend angebauter Kultur-
pflanzen, durch Veranstaltung von landwirtschaftlichen Aus-
stellungen, verbunden mit instruktiven Vorträgen, durch Be-