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Zweiundzwanzigstes Buch.
Grade als bei anderen sein sollte, einen Sinn, den ich einst
in der größten Vollkommenheit besaß, in einer Vollkommenheit,
wie ihn wenige von meinem Fache gewiß haben, noch gehabt
haben! O, ich kann es nicht! Darum, Freunde, verzeiht, wenn
ihr mich da zurückweichen sehen werdet, wo ich mich gerne
unter euch mischte. Doppelt wehe tut mir mein Unglück,
indem ich dabei verkannt werden muß. Für mich darf Er—
holung in menschlicher Gesellschaft, feinere Unterredungen,
wechselseitige Ergießungen nicht statthaben . .. Welche
Demütigung, wenn jemand neben mir stund und von weitem
eine Flöte hörte und ich nichts hörte, oder jemand den Hirten
singen hörte, und ich auch nichts hörte! Solche Ereignisse
brachten mich nahe an Verzweiflung; es fehlte wenig, und
ich endigte selbst mein Leben. — Nur sie, die Kunst, sie hielt
mich zurück! Ach, es dünkte mir unmöglich, die Welt eher zu
verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich auf—
gelegt fühlte. Und so fristete ich dieses elende Leben, — wahr—
haft elend, einen so reizbaren Körper, daß eine etwas schnelle
Veränderung mich aus dem besten Zustande in den schlechtesten
versetzen kann. Geduld, — so heißt es, sie muß ich nun zur
Führerin wählen! Ich habe es. — Dauernd, hoffe ich, soll
mein Entschluß sein, auszuharren, bis es den unerbittlichen
Parzen gefällt, den Faden zu brechen. Vielleicht geht's besser,
vielleicht nicht; ich bin gefaßt. — Schon in meinem achtund—
zwanzigsten Jahre gezwungen, Philosoph zu werden, ist es
nicht leicht, für den Künstler schwerer als für irgend jemand. —
Gottheit, du siehst herab auf mein Inneres, du kennst es, du
weißt, daß Menschenliebe und Neigung zum Wohltun darin
hausen! O Menschen, wenn ihr einst dieses leset, so denkt, daß ihr
ein Unrecht getan, und der Unglückliche, er tröste sich, einen seines
Gleichen zu finden, der, trotz allen Hindernissen der Natur, doch
noch alles getan, was in seinem Vermögen stand, um in die Reihe
würdiger Künstler und Menschen aufgenommen zu werden.“ —
Und so ist er seines Weges gegangen, unverwandt, dieser echt
Aus dem Heiligenstadter Testament Beethovens vom 6. Oktober 1802.