20 Die Natur des Landes.
oder aber von wandernden Antizyklonen auf und verursachen dem
Ackerbau des Hochlands viel Schaden: wenn auf starken Tem-
peraturrückgang bei Sonnenaufgang ein rascher Wärmeanstieg
erfolgt, werden die Gefäße der Pflanzen zerstört und damit diese
vernichtet, und zwar erfolgt dies vor allem in den tiefen Lagen
der Täler und Becken, während die Hänge weniger oft in Mit-
leidenschaft gezogen werden‘).
Je mehr man sich nordwärts vom Wendekreis entfernt,
desto mehr entfernt man sich auch. von dem rein tropischen
Wärmeregime und nähert sich mehr und mehr den kontinentalen
Verhältnissen des nördlichen Nachbarlandes, der Vereinigten
Staaten: die Sommer werden exzessiv heiß, die Winter ver-
hältnismäßig kühl, die Temperatursprünge von Tag zu Tag
infolge des Einbrechens kalter, eventuell auch heißer Luft-
strömungen von außen her größer, so daß das Klima der nörd-
lichen Gebiete Mexicos nicht mehr wesentlich verschieden ist
von dem der benachbarten Teile der Union. Die heißesten
Sommertemperaturen finden sich im nordwestlichen Mexico,
sowie in der Umgebung des Mexicanischen Golfs, dessen Wasser
28° C Sommertemperatur zeigt.
Viel bedeutsamer als die Breitendifferenzen sind für die all-
gemeinen Wärmeverhältnisse die Höhenunterschiede, wie
schon die einfache Überlegung zeigt, daß die mittlere Jahres-
temperatur um etwa */,” C bei Erhebung um 100m sinkt. So
hat denn der Volksmund schon längst drei Klimagürtel im Lande
unterschieden: die "Tierra caliente (heißes Land), Tierra
templada (gemäßigtes Land) und Tierra fria (kaltes Land).
Freilich besteht über die Abgrenzung dieser Gürtel weder im
Volksmunde noch in wissenschaftlichen Kreisen Übereinstim-
mung, und während die einen die obere Grenze des heißen bzw.
gemäßigten Landes bei 1000 bzw. 2000 m ansetzen möchten,
sind andere geneigt, sie auf 600 bzw. 1800 m oder gar 400 bzw.
1500 m herabzusetzen. Es ist ja auch richtig, daß jenseits des
Wendekreises die Wärmeregionen rasch tiefer und tiefer sinken,
so daß nahe der Nordgrenze des Landes die Einteilung ihren
?) E. Lopez in Memorias der Sociedad cientifica „Antonio Alzate“,
t. 38, S. 315 ff.