28 Die Natur des Landes.
zapfung im nordamerikanischen Gebiet während der Trockenzeit
sogar oft nur als trockenes Bett die mexicanische Grenze
erreicht. Mit Eifer und gutem Gelingen bemühen sich Geologen
und Ingenieure in wasserarmen Gegenden, durch Brunnenbohrungen,
Stauwerke und sonstige Mittel Wasser für Bewässerungs-
und Trinkzwecke zu beschaffen. Aber riesige
Flächen des Landes werden doch nie bewässert werden
können.
Das steile Gefäll, das die meisten Flüsse auf großen
Strecken ihres Laufes haben, die zahlreichen Wasserfälle
schaffen gewaltige Werte lebendiger Kraft, die neuerdings auch
in rasch steigendem Maße für die Industrie verwertet werden.
Aber auch hier ist die wirtschaftliche Ausnutzung durch den
starken Wechsel der Wasserführung, die geringe Wassermenge
zur Zeit der Trockenheit und die überwältigenden Wassermassen
nach heftigen Regengüssen sehr erschwert.
Ganz eigenartige hydrographische Verhältnisse herrschen auf
der Halbinsel Yucatän, wo nur im Süden etliche, und zwar
meist bloß in der Regenzeit fließende oberirdische Wasserläufe
vorhanden sind, während in den nördlichen Teilen die gesamte
Wasserzirkulation unterirdisch erfolgt, indem die Regenwasser
in dem kalkigen Gestein versickern und auf schwer durchlässigen
mergeligen Schichten sich zu unterirdischen Teichen
oder Grundwasserflüssen ansammeln, die teils durch natürliche
Höhlen (Cenotes) zugänglich sind, teils aber erst durch Brunnenbohrungen
nutzbar werden, Das Wasser wird aus den Brunnen
mit Hilfe von Maultieren oder — neuerdings vielfach — von
Windmotoren gehoben; da es aber meist einen ansehnlichen
Gehalt an Bittersalz hat, so ist für Trinkzwecke auch Aufsammeln.
von Regenwasser in Zisternen üblich. Während der
Regenzeit sammeln sich in Vertiefungen des Geländes oft ausgedehnte
periodische Seen (Ak’alch6s) an, die für den Verkehr
und die Gesundheitsverhältnisse oft schädlich sind. — Manche
der unterirdischen Flüsse münden in geringer Entfernung von
der Küste submarin, so daß also Süßwasserquellen inmitten des
salzigen Meeres aufsteigen und von den Schiffern benutzt
werden können.