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Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
so begreift man, daß in einzelnen Gegenden, wo tiefgründige
vulkanische oder alluviale Böden mit hohem Nährsalzgehalt
vorhanden sind, eine längere Reihe von Jahren der Anbau auf
demselben Grundstück möglich war, während in Gebieten mit
dürftigerem Boden häufig gewechselt werden mußte und der
Boden sich rasch erschöpfte. Man versteht nun auch eher, warum
sinerseits als Grund von Stammeswanderungen oft Hungersnot
(meist Folge von Bodenerschöpfung) genannt wurde und warum
anderseits die Gebiete des fruchtbaren tiefgründigen vulkani-
schen Bodens, wie die den Vulkanen zunächst gelegenen Hoch-
ebenen, ein Volk nach dem anderen zur Besiedlung reizten und,
soweit die Geschichte ein Urteil gestattet, bis zur Gegenwart
immer am dichtesten bevölkert gewesen sind. Ganz im allge-
meinen sind die offenen Landschaften, weil sie der Rodung
geringere Schwierigkeit in den Weg stellen und die dortigen
Felder weniger von Unkrautwachstum belästigt werden, stets
dichter bevölkert gewesen als die Urwaldgebiete — wenn die
Befeuchtung für Ackerbau hinreichend günstig war, während
allerdings die allzu trockenen Gebiete, soweit auch Wasser für
Bewässerungszwecke nicht genügend vorhanden war, allezeit
sehr geringe Volksdichte gezeigt haben müssen. Die vulkani-
schen Hochlandgebiete würden aber noch eine wesentlich
dichtere Bevölkerung haben ernähren können, wenn das Klima
dort wärmer wäre: im heißen Tiefland beschränkt sich nämlich
die Vegetationsperiode des Maises auf 3—3'/, Monate, so daß
(theoretisch wenigstens!) bei Anwendung künstlicher Bewässe-
rung drei Ernten im Jahre vom gleichen Grundstück möglich
wären; im Hochland aber muß man sich gewöhnlich mit einer
einzigen Ernte begnügen und in feuchteren Gegenden, wo häufige
Nebel die Sonnenwirkung herabsetzen, dauert die Vegetations-
periode des Maises nahe seiner oberen Kulturgrenze sogar oft
über 10 Monate.
Das altgerodete Land war Gemeineigentum der calpulli
(chinancalli) bei den Mexicanern, jedoch blieben die einzelnen
Parzellen innerhalb der besitzenden Familien in der Weise erb-
lich, daß ein Vater bei seinem Tode das Grundstück unter seine
Söhne verteilen konnte. War das Landstück zur Ernährung aller