Full text: Mexico

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Wirtschaftsgeschichtliche Skizze. 
so begreift man, daß in einzelnen Gegenden, wo tiefgründige 
vulkanische oder alluviale Böden mit hohem Nährsalzgehalt 
vorhanden sind, eine längere Reihe von Jahren der Anbau auf 
demselben Grundstück möglich war, während in Gebieten mit 
dürftigerem Boden häufig gewechselt werden mußte und der 
Boden sich rasch erschöpfte. Man versteht nun auch eher, warum 
sinerseits als Grund von Stammeswanderungen oft Hungersnot 
(meist Folge von Bodenerschöpfung) genannt wurde und warum 
anderseits die Gebiete des fruchtbaren tiefgründigen vulkani- 
schen Bodens, wie die den Vulkanen zunächst gelegenen Hoch- 
ebenen, ein Volk nach dem anderen zur Besiedlung reizten und, 
soweit die Geschichte ein Urteil gestattet, bis zur Gegenwart 
immer am dichtesten bevölkert gewesen sind. Ganz im allge- 
meinen sind die offenen Landschaften, weil sie der Rodung 
geringere Schwierigkeit in den Weg stellen und die dortigen 
Felder weniger von Unkrautwachstum belästigt werden, stets 
dichter bevölkert gewesen als die Urwaldgebiete — wenn die 
Befeuchtung für Ackerbau hinreichend günstig war, während 
allerdings die allzu trockenen Gebiete, soweit auch Wasser für 
Bewässerungszwecke nicht genügend vorhanden war, allezeit 
sehr geringe Volksdichte gezeigt haben müssen. Die vulkani- 
schen Hochlandgebiete würden aber noch eine wesentlich 
dichtere Bevölkerung haben ernähren können, wenn das Klima 
dort wärmer wäre: im heißen Tiefland beschränkt sich nämlich 
die Vegetationsperiode des Maises auf 3—3'/, Monate, so daß 
(theoretisch wenigstens!) bei Anwendung künstlicher Bewässe- 
rung drei Ernten im Jahre vom gleichen Grundstück möglich 
wären; im Hochland aber muß man sich gewöhnlich mit einer 
einzigen Ernte begnügen und in feuchteren Gegenden, wo häufige 
Nebel die Sonnenwirkung herabsetzen, dauert die Vegetations- 
periode des Maises nahe seiner oberen Kulturgrenze sogar oft 
über 10 Monate. 
Das altgerodete Land war Gemeineigentum der calpulli 
(chinancalli) bei den Mexicanern, jedoch blieben die einzelnen 
Parzellen innerhalb der besitzenden Familien in der Weise erb- 
lich, daß ein Vater bei seinem Tode das Grundstück unter seine 
Söhne verteilen konnte. War das Landstück zur Ernährung aller
	        
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