Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft etc. 57
geleitet, der zu einem sehr befriedigenden Stand des wirtschaft-
lichen Lebens geführt hatte. Wenn dieses hier zugegeben sein
soll, so darf aber anderseits auch nicht verschwiegen werden,
jaß die Entwicklung nur stellenweise auf der Höhe der Zeit
stand, während noch auf weiten Flächen des Landes ganz
primitive oder wenigstens ziemlich rückständige Wirtschafts-
und Verkehrsverhältnisse herrschten und noch herrschen. Das
xilt insbesondere für die Gebiete mit stark vorwiegender oder
gar ausschließlicher Indianer bevölkerung, obgleich auch
hier recht große Verschiedenheiten sich zeigen: die wenigen
heidnischen Indianer weltentlegener Gebiete (Lacandones, Tara-
humares, Huicholes u. a.) und gar manche christliche Indianer
wirtschaften noch fast ganz in der alten vorkolumbischen Weise;
sie haben dieselben Haustiere, Kulturpflanzen und Kultur-
methoden, treiben Fischfang und Jagd wie früher, Handel und
Verkehr sind ziemlich gleich geblieben, und nur die Benutzung
einiger eiserner Werkzeuge, die in kleinstem Maßstab betriebene
Zucht einiger eingeführter Haustiere erleichtern ihnen das Leben
etwas mehr. Bei ihrer Bedürfnislosigkeit sind sie auch kaum in
nennenswertem Maß Abnehmer von Waren verschiedener Art,
und da sie zudem die Arbeit in fremden Diensten scheuen,
scheiden sie als Faktoren der mexicanischen Wirtschaft fast
ganz aus. Die große Mehrzahl der christlichen Indianer hat
bereits ihre wirtschaftliche Tätigkeit wesentlich mehr von der
auropäischen Kultur beeinflussen lassen, und wenn auch im
allgemeinen Lebensweise und Ackerbau, stellenweise auch
Handel und Verkehr noch so ziemlich im alten Stil vor sich
gehen, so ist doch die Zahl der europäischen Kulturelemente
in ihrer Wirtschaft bereits wesentlich größer; wohl halten auch
sie zumeist an den alten Nutzpflanzen und Kulturmethoden
fest, wohl ist der alteingebürgerte Truthahn noch immer ein
besonders häufiges Haustier bei ihnen; sie haben noch immer
vorzugsweise die alten Speisen und Speisebereitung, noch wird
vielfach die alte industrielle Tätigkeit geübt (Mahlsteinverferti-
gung, Töpferei, Spinnen und Weben, Seilerei, Mattenflechten
u. 8. w.), neben mancher neuen (Hutflechten z. B.); noch werden
industrielle und landwirtschaftliche Produkte im Hausierhandel