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etwa, was sich später zeigen wird, in eine unzulässige Position
gegenüber Schumpeter zu setzen — stets soweit getrieben
werden kann und wird, daß in der Depressionsperiode denk-
notwendig das Angebot an Subsistenzmitteln so groß.ist,.daß
das Agio an konkreten Gütern, das der Aufschwung hervor-
gebracht hat, verschwinden muß.
' Wir meinen, hierüber eine generelle Aussage zu machen,
ist nicht möglich. Erstens kommt es auf die Größe des Umweges
an, ob viel oder wenig Subsistenzmittel. erforderlich sind, um
den Zins zu eliminieren, vor allem aber spielt hier das Verhalten
des Bankiers eine ganz besondere Rolle, der es als „Produzent
von Kredit“ in der Hand hat, ob er den Zins zum Verschwinden
bringen will oder nicht. Wie sich der Bankier verhalten wird,
ob er sich selbst das Wasser abgräbt, indem er schließlich
Kaufkraft zum Paripreise ausgibt, ‚oder ob er an einem be-
stimmten Punkte Halt macht, um sich ein dauerndes Zinsein-
kommen zu sichern, darüber ist eine allgemeine Aussage nicht
möglich 2).
ı) Streiler (Zur Lehre vom Unternehmergewinn, Schmoll. Jahrb.,
50. Jahrg., Heft 2, München u. Leipzig 1925, S. 10/11) trifft denselben
Punkt, wenn er einwirft, daß es gar nicht gesagt ist, ob der Unternehmer
überhaupt einen Gewinn erzielen kann, da der Bankier, der ihn ja völlig in
der Hand hat, ihm denselben abnehmen kann, und daß es weiter fraglich ist,
ob überhaupt Zins entsteht, da der Bankier das Angebot an Kaufkraft
beliebig ausdehnen kann. Gegen die letzte Behauptung ist allerdings ein
Einwand zu machen: Wenn der Bankier auf einmal zuviel Kaufkraft aus-
gibt, so läuft er in die Gefahr, daß manche Unternehmungen, die er finan-
ziert hat, zusammenbrechen und er seiner Einlösungspflicht daher nicht
nachkommen kann (Schumpeter, Entwicklung, S. 295/96). Man muß an-
nehmen, daß die Ausgabe der zusätzlichen Kaufkraft immer entsprechend
den Einlösungsaussichten vor sich geht und so ganz allmählich der Zins
eliminiert wird. Gerade hier zeigt sich aber auch, daß der Bankier nicht
allmächtig ist, Es kommt mit auf die Größe des Umweges an, wie lange
es dauert, bis der Zins aus der Wirtschaft verschwunden ist (vgl. hierzu
Lampe, Adolf: Zur Theorie des Sparprozesses und der Kreditschöpfung,
Jena 1926, S. 124/26, 130, und Mannstaedt, Heinrich: Ein kritischer Bei-
trag zur Theorie des Bankkredites, Jena 1927, besonders S. 30/31). Es
ist daher gar nicht gesagt, daß, wenn sich in der Wirtschaft keine Ent-
wicklungserscheinungen mehr zeigen, worauf Schumpeters Nachsatz
„wenn sie nur lange genug dauern würde‘ doch offenbar abzielt, der Zins
bereits eliminiert ist. Vor allem aber ist der Bankier auch deshalb nicht
allmächtig, weil das freiwillige Sparen, von dem wir bis jetzt abgesehen
haben, eine, wenn heutzutage auch nicht allzu große Rolle spielt. Wenn