Full text : Statische oder dynamische Zinstheorie?

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gegeben ist, daß die Güter, die für die Bewertung in Frage
kommen, auch tatsächlich vorhanden sind, besteht hier nicht.
Für den Vorwurf der unzulässigen Doppelrechnung, den
Böhm-Bawerk gegenüber der Abstinenztheorie erhebt, ergibt
sich daraus als Schlußfolgerung: Nach Ansicht der Abstinenztheoretiker
 beruht das Abstinenzopfer auf einem tatsächlichen
Verzicht, und zwar auf dem Verzicht einer an sich möglichen
Befriedigung gegenwärtiger Bedürfnisse. Dieser Verzicht kann
nur insofern Bedeutung für die Größe des Arbeitsopfers haben,
als jetzt gegebenenfalls der Wert des mit dem Vorrat an Arbeit
letzten bedeckten Bedürfnisses, auf dessen Befriedigung man
im Falle des Verlustes von Gütern mit höherem unmittelbaren
Grenznutzen verzichten muß; ein anderer ist. Das Arbeitsopfer
 wird aber nicht etwa teilweise oder ganz mit. dem Opfer,
das in dem Verzicht auf die Befriedigung gewisser gegenwärtiger
Bedürfnisse zugunsten zukünftiger Bedürfnisse nach Ansicht
der Abstinenztheoretiker liegen soll — und was bis jetzt noch
nicht widerlegt ist — angeschlagen. Daß es sich hier um zwei
ganz verschiedene Größen handelt, geht daraus hervor, daß
as sich bei der Veranschlagung des Arbeitsopfers nach dem anderweitigen
 Genuß nur um eine evtl, Wohlfahrtseinbuße handelt,
ein Verzicht also gar nicht vorliegt, während der Genußaufschub
der Abstinenztheoretiker einen tatsächlichen Verzicht darstellt.
Ob dieser Verzicht nun tatsächlich auch ein Opfer involviert,
 das ist eine andere Frage. Im zweiten Teile seiner Kritik
gegenüber Senior sucht Böhm-Bawerk nachzuweisen, daß
das behauptete Abstinenzopfer überhaupt nicht existiert*).
Besonders klar illustriert er aber den von den Abstinenztheoretikern
 gemachten Fehler bei der Kritik der Marshallschen
Zinstheorie: „Von keiner Seite bezweifelte Erfahrung ist es,
daß jene psychologische Tatsache, um deren richtige Deutung
es sich handelt, sich unter anderem darin wirksam zeigt, daß
wir für sonst gleichstehende, aber verschieden entfernte Genußziele
 ungleich große Arbeits- oder Geldopfer zu bringen geneigt
sind .... Diese Tatsache, über deren Tatsächlichkeit, wie
gesagt, zwischen Marshall und mir keinerlei Meinungsver-DE

 a

ı) Böhm-Bawerk, Geschichte und Kritik, S. 251/55.
            
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