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Wir verweisen hier auf die ausführliche Polemik Böhm-Ba-
werks?) gegenüber Clark. Hier wollen wir nur, um dem Leser
recht deutlich zu machen, worauf es bei der vorliegenden Kontro-
verse ankommt, die kurze Formulierung seines Einwandes
gegenüber dem Synchronisierungsgedanken, wie sie Böhm-
Bawerk anläßlich der Kritik der Schumpeterschen Theorie
gegeben hat, wörtlich zitieren: „Nehmen wir übrigens diese
Musterprobe einer zweideutigen biegsamen Dialektik im Vorbei-
gehen sofort unter die Lupe: was soll mit ihr gemeint sein? Soll
wirklich behauptet werden, was diese Worte nach ihrem natür-
lichen Sinne auszudrücken scheinen, daß nämlich die produktiven
Aufwendungen und ihre genußreifen Erfolge gleichzeitig sind?
Soll etwa behauptet werden, daß die Arbeit des Schafzüchters,
welche zu Beginn des (vielleicht dreijährigen) Gesamtprozesses
der Tuchrockerzeugung aufgewendet wird, in demselben Augen-
blicke, in welchem sie aufgewendet wird, schon zur Entstehung
aines fertigen Tuchrockes führt? Das wäre eine offenbare
Unmöglichkeit, obwohl eine so hohe Autorität wie Prof. Clark
sich sogar dieser Behauptung einmal gefährlich angenähert hat.
Oder soll mit jener Floskel doch nur der ganz andere, sehr
harmlose Sachverhalt gemeint sein, daß in einer in einem gleich-
mäßigen Kreislauf sich abspielenden Produktion von drei-
jährigem Turnus alles so eingerichtet ist, daß in demselben
Augenblicke, in welchem irgendein Arbeitsaufwand für die
Erzeugung roher Schafwolle gemacht wird, jedesmal auch irgend-
ein Tuchrock fertig wird, welcher aber freilich nicht der gleich-
zeitigen, sondern der Aufwendung einer ganz anderen,
schon drei Jahre früher auf die Erzeugung von roher Wolle
gerichteten Arbeit seine Entstehung verdankt? Und wenn
nur das gemeint ist und gemeint sein kann, welcher dialektische
Mißbrauch liegt dann in einer Wortfügung, die über diesen, die
ganze Pointe aufhebenden Unterschied hinweggleitend schlecht-
weg von einer „Synchronisierung von Aufwand und Bedürfnis-
vefriedigung‘“ spricht? Bekanntlich geht der Blitz natürlicher-
weise stets dem Donner voraus. Wenn nun jemand behaupten
ı) Böhm-Bawerk, Zur neuesten Literatur über Kapital und Kapital-
zins, Ztschr. f. Volksw., Sozialpol. u. Verwitg., 16. Bd., Wien u. Leipzig
1907, S. 18ff. 455#f.