Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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Wir flochten dann einige Bemerkungen über das Kredit- 
phänomen ein, wobei sich zeigte, daß Cassel den Einfluß 
der Geldschöpfung auf die Güterwelt nicht übersieht, diesen 
anscheinend sogar etwas überschätzt, Zugleich glaubten wir 
aber aus der Casselschen Theorie herauslesen zu können, daß 
er nicht Anhänger der „modernen“ Kreditauffassung ist, die 
das Wesen des Kredites in der Kaufkraftschaffung der Banken 
sieht, sondern vielmehr, was auch unsere Ansicht ist, unter 
Kreditgeben immer noch den Akt des Vorschießens von Sub- 
sistenzmitteln versteht. 
Schließlich machten wir die Feststellung, daß Cassel neben 
der Nutzungstheorie noch eine verflachte Abstinenztheorie 
vertritt, indem er als Objekt der Zinszahlung den „Dienst des 
Wartens‘“ bezeichnet, wobei es gleichgültig ist, ob dieser Dienst 
für das betreffende Wirtschaftssubjekt ein Opfer involviert 
oder nicht. Wir versuchten zu zeigen, daß die Annahme einer 
derartigen Leistung eine Fiktion darstellt, auf die man, wenn 
sich ein besserer Weg finden läßt, lieber verzichten soll. Wir 
diskutierten dann den eigentlichen Kern der Abstinenztheorie, 
die Behauptung, daß infolge der Unterschätzung zukünftiger 
Güter das Sparen für das Wirtschaftssubjekt neben dem Arbeits- 
opfer ein besonderes Abstinenzopfer hervorrufe, und kamen 
zu dem Ergebnis, daß der von Böhm-Bawerk erhobene und 
von Schumpeter wiederholte Vorwurf der unzulässigen 
Doppelrechnung nicht stichhaltig ist, Böhm-Bawerks Argu- 
ment, daß ein Abstinenzopfer überhaupt nicht besteht, da 
entsprechend der Unterschätzung zukünftiger Güter der Arbeits- 
aufwand reduziert wird, dagegen durchaus zutrifft. Zum 
Schluß unterzogen wir den Synchronisierungsgedanken, der 
von Clark stammt, einer genaueren Betrachtung. Es zeigte 
sich hierbei, daß er weder gegen die Agiotheorie, gegen die 
er sich vor allem wendet, noch gegen die Abstinenztheorie 
etwas auszürichten vermag. 
Das Fazit, das wir aus unserer Untersuchung ziehen, ist 
demnach: Der Zins ist ein „statisches‘‘ Phänomen, d. h. eine 
Erscheinung des Wirtschaftslebens, die sich aus einer ange- 
nommenen Gleichgewichtstendenz der Wirtschaft heraus er- 
klären läßt. Wir lehnen damit Schumpeters „dynamische“
	        
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