Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

leistungen oder. um anderweitig zu erklärende Erscheinungen?), 
Der eigentliche Unternehmergewinn zeigt sich nur in der 
Dynamik, d. h. in einer Wirtschaft mit essentiell gestörtem 
Gleichgewicht, wie .wir uns hier vorerst etwas oberflächlich und 
farblos ausdrücken wollen. 
Der auffallendste Unterschied zeigt sich jedoch bei der Be- 
handlung des Zinsproblems. Für Cassel gibt es in der Statik 
neben Arbeit und Boden einen dritten elementaren Produktions- 
faktor, für den, da er relativ knapp ist, in der Tauschwirtschaft 
ein Preis, der Zins, gezahlt werden muß. Der Zins ist also hier 
Bedingung des statischen Gleichgewichts. Nach Schumpeters 
Ansicht versagen dagegen alle Hilfsmittel, mit denen man den 
Zins in der Statik erklären will, da sie entweder nicht statisch 
sind, oder die Zinserscheinung nicht erklären können?). Nur 
Besitzer von Arbeits- und Bodenleistungen erzielen hier ein Rein- 
einkommen, die Besitzer von produzierten Produktionsmitteln 
müssen dagegen ihre Einnahmen, soweit sie nicht Arbeitslohn 
und Grundrente ‚darstellen, zwecks Kapitalersatz an Arbeiter 
und Grundherren weitergeben. 
1) Schumpeter, Wesen, S. 430/40. ?) ebda., S. 391ff. Als besonderen 
Grund, weshalb das Zinsproblem in der Statik nicht behandelt werden kann, 
nennt Schum peter die Unmöglichkeit, den Kapitalersatz mit statischen 
Mitteln zu erklären. Der Vorgang des Kapitalersatzes sei mit dem der Neu- 
bildung wesensgleich. Dieser aber sei kein statischer Prozeß (Schumpeter, 
Wesen, S. 394/95). Wir meinen, hier liegt ein Widerspruch vor. Weiter vorn 
hat Schumpeter nämlich ausgeführt, daß in der Statik auch ein gewisser 
Sparfonds und dazugehörige Wertfunktionen gegeben sind, und man infolge- 
dessen auch eine eindeutige Bestimmtheit desselben ableiten könne. Das 
Zustandekommen desselben könne deshalb nicht im Rahnem der Statik 
erklärt werden, da in diesem Falle Änderungen der Wertfunktionen statt- 
finden (Schumpeter, Wesen, S. 300/07). Schumpeter behauptet aber 
jetzt, daß seine statische Wirtschaft keine stationäre Wirtschaft sei, da 
hier kein Ersatz des Werkzeugvorrates vorgenommen wird (Wesen, S, 397). 
Das heißt aber doch nichts anderes, als daß sich jetzt die Wertfunktionen 
ändern, was seiner früheren Definition der Statik widerspricht. Außerdem 
liegt aber noch ein zweiter Widerspruch vor, indem er behauptet — offenbar 
sieht er hierin einen zweiten Grund für die Unmöglichkeit der Erklärung 
des Kapitalersatzes in der Statik — daß die Statik nur für einen Augen- 
blick gilt (Wesen, 5. 397). Denn wenn sie nur für den Augenblick gilt, 
so ist auch keine Abnutzung des Werkzeugvorrates möglich, was er doch 
vorher angenommen hat. Wir gehen auf diese Argumente Schumpeters 
deshalb nur kurz ein, weil er sie später in seiner eingehenden Darstellung 
nicht wiederholt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.