Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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Da. die Wirtschaftssubjekte mit geringeren Unternehmereigen- 
schaften. dichter gesät sind, als die Koryphäen?), so wächst die 
Nachfrage immer mehr an, während das Angebot beschränkt 
ist, So. daß der Zins immer über Null stehen muß und viele 
Unternehmer von ihren Plänen absehen müssen.?) 
Würde die Entwicklung mit statischer Kaufkraft finanziert 
werden — was nach Schumpeters Ansicht prinzipiell nicht vor- 
kommt — so wäre es erst recht klar, daß gegenwärtige Kaufkraft 
ein Agio tragen müßte, da hier die statischen Wirtschafts- 
subjekte durch Entzug von Kaufkraft ihre Produktions- oder 
Konsumtionsausgaben einschränken müßten, was für diese eine 
Wohlfahrtseinbuße, die eine Kompensation erheischt, bedeuten 
würde®). Die Preisbildung der Kaufkraft würde dann ent- 
sprechend dem Gesetz der Grenzpaare vor sich gehen, die Wert- 
schätzung des letzten Kapitalisten und des letzten Unternehmers 
würde für die Höhe des Zinses maßgebend sein*). 
Die Quelle, aus der für Schumpeter der Zins fließt, ist der 
Unternehmergewinn. . Hat der Unternehmer eine neue Kom- 
dination erfolgreich durchgesetzt, so erzielt er einen Reingewinn, 
einen Überschuß über die Kosten, denn einerseits sind die Preise 
auf dem Markte noch nicht so gefallen, daß mit der größeren 
Produktmenge pro. Arbeiter kein Mehrerlös zu erzielen ist, und 
andererseits sind noch die alten Preise bzw. Werte der Arbeits- 
und Bodenleistungen, die höchstens infolge gesteigerter Nach- 
frage bzw. teilweisen Entzuges aus den früheren Verwendungen 
etwas gestiegen sind, einzusetzen®). Letzteres deshalb, weil die 
neuen Werte durch einen Ruck von den alten getrennt sind und 
man die Produktionsmittel noch mit ihren Ersatzwerten, mit den 
Werten in den anderen Verwendungen, aus denen sie im Falle des 
Verlüstes der in den neuen Kombinationen verwendeten Pro- 
duktivmittel erneut herausgezogen werden müssen, anschlägt®). 
Noch klarer wird das, wenn man die Führerfunktion für den 
Augenblick als dritten ursprünglichen Produktionsfaktor kon- 
stituiert, dem man den Wert der neuen Produkte minus dem 
Werte, den man ohne sie realisieren könnte, zurechnen muß. 
-) Schumpeter, Entwicklung, S. 120 Anm, 20, S, 298,. 340. 
') ebda., S. 297/99. °) ebda., S. 283/84, 291, 293/94. ; 
‘) ebda., S. 288/94. ©) ebda., S. 208/10. °) ebda., S. 222/23.
	        
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