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verstehen wir unter Konstanz der systembestimmenden Daten
auch Konstanz gewisser Zuwachsprozente derselben und können
uns daher unter einer statischen Wirtschaft sowohl eine statio-
näre, als auch eine gleichmäßig fortschreitende Wirtschaft im
Casselschen Sinne vorstellen. Beide Konstruktionen sollen
uns verhelfen, gewisse fundamentale Erscheinungen der Wirt-
schaft und die Gesetze, von denen sie beherrscht werden, zu
erklären.
Wir wollen aber noch mehr wissen, sehen daher von
der Konstanz der systembestimmenden Daten ab
und gelangen somit durch Determination zu unserem
eigentlichen Erkenntnisobjekt, der Dynamik. Unsere
Wirtschaft wird dadurch denknotwendig dynamisch, denn durch
die Veränderungen gewisser Daten werden Erscheinungen her-
vorgerufen, die eben als Begriffsbestandteil das Moment der
Veränderung gewisser Größen in sich schließen, wie z, B. die
Quasirente, der Unternehmergewinn, der Konjunkturzyklus.
Diese Erscheinungen gilt es jetzt mit Hilfe der im höheren
Abstraktionsgrade der Statik gewonnenen Resultate zu erklären,
d. h. ihre Ursachen aufzusuchen und damit über gewisse Wert-
erscheinungen und Preisbewegungen allgemeine Aussagen zu
machen, so daß man schließlich zu dem Marshallschen Problem
der Preisbildung während kurzer und während langer Perioden‘),
oder, wie man es auch anders ausdrücken kann, zu Aussagen
über unmittelbare und mittelbare Wirkungen gewisser Daten-
änderungen gelangt — eine Problemstellung, die auf das Endziel
der theoretischen Nationalökonomie, wie wir sie hier betreiben,
losgeht, nämlich theoretische Werkzeuge zu schaffen, die uns
verhelfen sollen, bei gegebenen Daten den neuen Gleichgewichts-
zustand aus dem alten abzuleiten?).
Für Cassel wie auch für uns ist demnach für die Scheidung
in Statik und Dynamik die Existenz des Unternehmertypus
unwesentlich. Die Dynamik beginnt dort, wo die Daten sich
zu ändern anfangen. Daher fällt auch für uns das Problem der
a ei
1) Marshall, Alfred, Handbuch der Volkswirtschaftslehre, 1. Bd.,
nach d. 4. Aufl. übersetzt v. Hugo Ephraim u. Arthur Salz, Stuttgart u.
Berlin 1905, S. 366ff., S, 432ff.
2) Vgl. Schumpeter, Wesen, S. 447.
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