Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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Bortkiewicz, so fällt sofort ins Auge, daß die verschiedene 
Bewertung, die die verschiedenaltrigen Arbeitsmonate infolge 
des Wirkens des dritten Grundes erfahren sollen, von zwei 
Seiten her abgeleitet wird. Einmal werden sie einfach als 
Produktivgüter, die unmittelbar zur Herstellung einer be- 
stimmten Genußgütermenge dienen sollen, betrachtet, das 
andere Mal erscheinen sie als potentielle Genußgüter, die das 
Einschlagen eines Produktionsumweges von bestimmter Länge 
ermöglichen, indem sie, zu bestimmter Zeit genußreif, Arbeitern 
und Grundherren vorgeschossen werden können. Es findet 
demnach eine doppelte Bestimmung des Grades der Unter- 
schätzung zukünftiger Güter statt, die doch offenbar nur dann 
haltbar ist, wenn man in beiden Fällen zum gleichen Resultate, 
zur gleichen Zinsrate gelangt. Das ist aber, wie man leicht 
sehen wird, nicht der Fall. Wenn mir mein Subsistenzmittel- 
fonds erlaubt, statt eines sechsjährigen Produktionsumweges 
einen siebenjährigen einzuschlagen, so ergibt sich der Grad 
der Unterschätzung zukünftiger Güter — wenn ich die Produk- 
tivgüter als potentielle Genußgüter betrachte — aus der Differenz 
des Produktwertes beider Methoden. Der Böhm-Bawerkschen 
Tabelle zufolge wird dagegen der älteste Arbeitsmonat mit dem 
Werte des Produktes einer siebenjährigen, der nächst älteste 
mit dem Werte des Produktes einer sechsjährigen Produktions- 
periode usw. angeschlagen. Im ersten Falle ergibt sich also 
eine einheitliche Rate der Unterschätzung, während im zweiten 
Falle verschiedene Raten der Unterschätzung vorliegen, ent- 
sprechend der Skala der Mehrerträgnisse der verschieden langen 
Produktionsumwege, die doch nie so gleichmäßig ausfällt oder 
auszufallen braucht, daß die Produktdifferenz zwischen der 
sechs- und siebenjährigen Methode, die in unserem Falle. das 
„letzte“ Mehrerträgnis ausmacht, genau so groß ist, wie der 
Produktunterschied zwischen der fünf- und sechsjährigen, vier- 
und fünfjährigen usw. Produktionsmethode. Es kann also nur 
eine der beiden Folgerungen, die Böhm-Bawerk auf der Tat- 
sache der technischen Mehrergiebigkeit zeitraubender Produk- 
tionsumwege aufbaut, richtig sein, und wir glauben, es wird 
niemand Bedenken hegen, wenn wir behaupten, daß nur der 
zuerst erwähnte Kausalnexus, der das Problem der einheitlichen
	        
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