Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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Zinsrate löst, in Frage kommt. Böhm-Bawerks Tabelle 
steht also nicht nur. im Widerspruch zu einem großen Teile 
seiner sonstigen Ausführungen, sondern sie führt auch zu einem 
unmöglichen Resultate, 
Folgende Überlegungen sollen das noch deutlicher machen. 
Wenn ein Wirtschaftssubjekt einen Subsistenzmittelfonds be- 
sitzt, der ihm erlaubt, einen siebenjährigen Produktionsumweg 
sinzuschlagen, so ist unter statischen Verhältnissen — und 
Böhm-Bawerk nimmt solche an, was, ganz abgesehen von 
seinen sonstigen Ausführungen, aus der Bemerkung gegenüber 
Bortkiewicz hervorgeht, daß die Durchführung verschieden 
langer und ergiebiger Methoden nebeneinander nicht notwendige 
Voraussetzung seiner Schlußfolgerungen seil) — doch nichts 
anderes möglich, als daß unser Wirtschaftssubjekt, wenn es die 
verschiedenaltrigen Arbeitsmonate als Produktivgüter be- 
trachtet, den heutigen Arbeitsmonat, der ihm in sieben Jahren 
ein bestimmtes Produkt liefert, nicht höher schätzt als den 
nächstjährigen Arbeitsmonat, der ihm dasselbe Produkt nur 
ein Jahr später bringt — allerdings unter der Voraussetzung, 
daß die beiden ersten Gründe nicht wirken?). Wären die beiden 
ersten Gründe nicht ausgeschaltet, so würde allerdings eine 
Wertüberlegenheit des älteren über den jüngeren Arbeitsmonat 
vorliegen, woran jedoch der dritte Grund keinen Anteil haben 
würde. Es ist uns nicht erklärlich, welche Gedankengänge 
Böhm-Bawerk zu der Behauptung geführt haben, man würde 
eine gleiche Bewertung vom diesjährigen und nächstjährigen 
Arbeitsmonat nur dann vornehmen, wenn kein Kapitalmangel 
mehr bestünde, wenn unausgenützte mehrergiebige Produktions- 
umwege nicht mehr vorhanden wären. Mögen auch noch so 
viele mehrergiebige Umwege, die noch infolge Mangels an ge- 
nügend Subsistenzmitteln auf ihre Ausnützung harren, bekannt 
ı) Böhm-Bawerk, Exkurse, S. 267. 
?) Wenn wir genau sein wollten, dürften wir allerdings von Böhm- 
Bawerks erstem Grunde nicht abstrahieren, da der dritte Grund das 
verschiedene Verhältnis von Bedarf und Deckung in Gegenwart und Zu- 
kunft, wenn es einmal verschwinden Sollte, sofort wieder hervorrufen 
müßte (Böhm-Bawerk, Pos, Theorie, S. 348/49, Exkurse, S. 260). Wir 
glauben, es bedarf wohl keiner besonderen Beweisführung, daß durch 
diese Ungenauigkeit unserem Argument kein Abbruch getan wird,
	        
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