78
Genuß aus jedem Produktionsprozesse, von dem die sog. „tech-
nische Überlegenheit der gegenwärtigen über künftige Güter“
alle ihre Kraft ableitet. Der angebliche „dritte Grund‘ der
Überlegenheit der gegenwärtigen Güter ist nichts anderes als
die beiden ersten Gründe in Verkleidung“),
“3 6öhm-Bawerk wendet dagegen ein: ‚„Ist es wahr oder
ist es nicht wahr, daß wir überhaupt und auch in Fishers
Beispiel stets die Doppelwahl haben, mit dem älteren Arbeits-
monat entweder gleich viel Früchte für einen früheren Zeit-
punkt, oder aber auch mehr Früchte für denselben Zeitpunkt
zu erlangen, wie mit einem nächstjährigen Arbeitsmonat? Und
wenn wir diese Doppelwahl haben, im Namen welches Gesetzes
der Logik sollen wir dann wie gebannt immer nur auf die erste
Alternative blicken und gegen die zweite unsere Augen herme-
tisch verschließen müssen, als ob sie gar nicht existieren würde ?
Fisher hätte recht, wenn es ein Gesetz gäbe, das uns nötigen
würde, von unserem Wahlrecht zwischen den verschiedenen
Verwendungsmöglichkeiten, welche unsere Produktivmittel
überhaupt zulassen, gegenüber Produktivkräften aus ver-
schiedenen Zeitschichten stets einen genau parallelen Ge-
brauch zu machen; wenn wir nach Mephistos Motto „Das erste
steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte‘“, zwar frei wählen
könnten, ob wir einen Arbeitsmonat überhaupt in Augenblicks-,
oder in einjähriger, oder in zweijähriger, dreijähriger usw.
Produktion verwenden wollen, dann aber, wenn wir uns gegen-
über einem gegenwärtigen Arbeitsmonat. für eine bestimmte,
z. B. dreijährige Produktion entschieden hätten, auch gegenüber
einem nächstjährigen Arbeitsmonat für dieselbe dreijährige
Verwendungsweise uns entscheiden müßten: dann würde wirk-
lich, wenn der gegenwärtige Arbeitsmonat eine Wertüberlegen-
heit über den nächstjährigen bekundet, er sie „aus dem einzigen
Grunde“ besitzen, daß wir den früheren Genuß (einer gleich
großen Produktmenge) dem späteren Genuß vorziehen“.
„Aber unsere Wahlfreiheit geht weiter; wir brauchen nicht
parallel zu wählen, wir können auch divergierend oder konver-
1) Fisher, Irving, The Rate of Interest, New York 1907, S. 70/71,
hier zit. nach d. Böhm-Bawerkschen Übersetzung, Exkurse, S. 292. Vgl.
auch Sax. Emil, Der Kapitalzins, Krit. Studien, Berlin 1916, S. 56/57.