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sistenzmittel besitzen und die sich deshalb gern an den Unter-
nehmer verdingen, der ihnen, da er sie infolge der Verfügung
über mehr Subsistenzmittel in einem längeren und mehr-
ergiebigen Umweg beschäftigen kann, als wenn sie selbständig
produzieren würden, mehr, wenn vielleicht auch nur wenig
mehr an Lohn auszahlt, als sie sich bei selbständiger Produktion
auf kürzerem Umweg beschaffen könnten, Von Ausbeutung
und von Zwang kann deshalb hier nicht die Rede sein!). Der
zweite Zweig der Nachfrage nach Gegenwartsgütern ist der der
Unternehmer, die damit einen Gewinn erzielen wallen?). Dieser
Nachfrage gegenüber steht das Angebot an Subsistenzmitteln,
d. i. der gesamte Vermögensstamm der Volkswirtschaft außer
Grund und Boden?®), und die ihn besitzen, das sind die Kapita-
listen, die größtenteils bereits bei einem ganz geringen Agio
lieber in einen Tausch gegen zukünftige Güter einwilligen;
anstatt ihre Sübsistenzmittel tot liegen zu lassen, da bei ihnen
der erste und zweite Grund keine entscheidende Rolle spielt?).
Gleichgewicht wird auf dem Markte offenbar nur dann herrschen,
wenn einerseits alle Arbeiter beschäftigt sind, andererseits
sämtliche Kapitalisten ihr Angebot an Subsistenzmitteln unter-
gebracht haben. Es kommt aber noch eine weitere wichtige
Bedingung dazu. Der Unternehmer, der sich gegenwärtige
Güter ausleiht, will damit einen Gewinn erzielen. Zu diesem
Zwecke steht ihm” &in schier unerschöpflicher Fonds von Mög-
lichkeiten, zeitraubende, aber technisch. mehrergiebige Pro-
duktionsumwege einzuschlagen, zur Verfügung. Er wird es des-
halb nie soweit kommen lassen, daß der. Lohn bis zur vollen
Produkthöhe. anschwillt. Vielmehr wird er im gegebenen Moment
zu einer längeren durchschnittlichen Produktionsmethode, die
aber ein größeres technisches Produkt als die alte liefert, über-
gehen, was bei gleichbleibendem Lohne eine Freisetzung von
Arbeitern zur Folge hat, Solf Gleichgewicht in der Wirtschaft
herrschen, so müß demnach ständig ein Kapitalgewinn erzielt
werden, und zwar wird dessen. Höhe durch das Mehrerträgnis
der unter den gegebenen Verhältnissen noch gestatteten letzten.
Produktionsverlängerung bestimmt?).
-‘ 1).Böhm-Bawerk, Posit. Theorie, S. 375/76, 386/90, 408/09. 2) ebda,,
5.391. *) ebda., S. 391/92. ‘Jebda,, S. 387/89, 401, 448/49. *)ebda., S.443ff,