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meine Wirtschaft sich auf ihn eingerichtet hat. Vom Besitze
von Gegenwartsgütern sind dann eben nicht „mehr“ Güter in
der Zukunft abhängig‘“1),
Man sieht jetzt, wie nötig eswar, daß wir zuerst die Zwischen-
erklärung, die Böhm-Bawerk liefert, um aus der These von der
Mehrergiebigkeit zeitraubender Produktionsumwege die Höher-
wertigkeit gegenwärtiger Güter abzuleiten, etwas untersuchten.
Wenn SchumpetersArgumentation anscheinend auch mehr aus
dem Synchronisierungsgedanken herausfließt, er also gar nicht
gegen die oben kristisierten Ausführungen Böhm-Bawerks
polemisieren will, so treffen sie auch diese, und mancher, der
gerade diese Ausführungen Böhm-Bawerks im Auge hat,
wird vielleicht. Schumpeters Äußerungen, auch wenn et dem
Synchronisierungsgedanken nicht zustimmt, im Endergebnis
doch recht geben. „Vom Besitze von Gegenwartsgütern sind
dann eben nicht „mehr‘ Güter in der Zukunft abhängig‘, so
schreibt bekanntlich Schumpeter. Auf Böhm-Bawerks
Tabelle angewendet, heißt das, der gegenwärtige Arbeitsmonat
ist nicht wertvoller als. der zukünftige, denn in der Schum-
peterschen Statik wird die-unter.den gegebenen Verhältnissen
ergiebigste Methode ständig durchgeführt, ein mehrergiebiger
und längerer Umweg kommt, auch wenn er existiert, für die
Kalkulation def statisch-disponierten Wirtschaftssubjekte nicht
in Frage. Es liegt demnach hier der Fall vor, für den Böhm-
Bawerk ausdrücklich, als seinen Voraussetzungen nicht ent-
sprechend, seine Behauptung von der zinserzeugenden Kraft
des dritten Grundes ausschließt, da hier bereits alle möglichen
Verlängerungen durchgeführt sind, Kapitalmangel also nicht
mehr herrscht. Eine Wahlmöglichkeit würde "unter diesen
Gesichtspunkte tatsächlich nicht gegeben sein, da eben un-
ausgenutzte mehrergiebige Methoden, die noch zur Wahl stehen,
nicht mehr existieren. Schumpeter würde daher von dem
Vorwurf der dialektischen petitio principii, den ihm Böhm-
Bawerk macht, indem er annimmt, daß Schumpeter zuerst
1) Schumpeter, Entwicklung, S. 46/47 (die Unterstreichungen
stammen von Schumpeter). Da
2) Böhm-Bawerk, Eine „„‚dynamische‘“ Theorie des Kapitalzinses,
S. 28 Anm. 22.