Full text: Der Haushalt des Kaufmannsgehilfen

15 
Gesamteinnahmen, oder 49,21 NM je Haushaltung im Jahre. Da nur 
42,03 AM Schulden zurückgezahlt wurden, so nahim die Ve rschul⸗— 
dung also im Jahre 10260 erheblich zu. Es sei aber ausdrücklich 
betont, daß hier unter Darlehen nur die auf längere Sicht gemachten 
Schulden gemeint sind. Die Vorschußnahme ist viel größer. Sie ist 
jedoch aus der abgedruckten Tabelle nicht ersichtlich, da durchlaufende Posten, 
die keine Bereicherung der Haushaltungen darstellen, von der Haushaltungs⸗ 
statistik nicht erfaßt werden. Gerade die monatliche Vorschuͤßn hme, 
die eine gewisse Notlage der Haushaltungen zeigt, spielt aber für den Kauf⸗ 
mannsgehilfen eine große Rolle. Wir haben deshalb außerhalb der obigen 
Aufstellung auch noch die vorschußweise genommenen Darlehen berechnet und 
festgestellt, daß je eine Familie im Durchschnitt jährlich 
160,35 M Vorschuß genommen hat. Das ist eine außer⸗ 
ordentlich hohe Ziffer, die zusammen mit der dauernden Verschuldung von 
49,21 AN jährlich recht deutlich die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse 
der Kaufmannsgehilfen zeigt. 
Recht interessant ist auch eine zweite Nebeneinnahme im Kaufmanns— 
gehilfenhaushalt: die Sparentnahme! Unsere 290 Haushaltungen 
haben im Berichtsjahre mehr von der Sparkasse abgehoben — 603,10 ä 
je Haushaltung (1,460 v. H. der Gesamteinnahmen) — als sie im Laufe des 
Jahres sparen konnten — 57,72 AN je Haushaltung (oder 1,34 v. H. der 
Gesamtausgaben). Als Gesamtheit betrachtet, haben die unterfuchten Haus⸗ 
haltungen also ihre Ersparnisse nicht vermehrt, sondern verringert, wenn man 
von dem Ersparnischarakter der Versicherunasbeiträge absieht. 
Auffallend ist ferner der große Posten Unter— 
st ützungen durch Eltern und Verwandte. Er beträgt 
05,52 N für eine Haushaltung jährlich oder 1,50 v. H. der Einnahmen. Es 
ist geradezu überraschend, wieviel die Eltern beisteuern müssen, damit die ein— 
zelne Familie bestehen kann. Auf der anderen Seite wird aber gerade der Haus—⸗ 
halt der Kaufmannsgehilfen stark durch Unterstützungen an Eltern und Ver— 
wandte, die durch Inflationsverluste und Stellenlosigkeit in Not geraten sind, 
wie wir bei Betrachtung der Ausgaben noch sehen werden, belaster. 
Zu erwähnen ist noch, daß der Ertrag aus Ackerund Garten 
oder von Nutzvieh für manche Haushalte eine rechte Erleichterung 
war. Da 113 Haushaltungen in Großstädten geführt wurden, wo die Mög— 
lichkeit zu diesen Nebeneinnahmen weniger besteht, kann allerdings im auͤ— 
gemeinen betrachtet dieser Posten nicht groß sein. Er betrug nach Abzug der 
Produktionskosten 0,23 v. H. der Gesamteinnahmen. Daß viele Haushal⸗ 
tungen auf diese Art Nebeneinnahmen angewiesen waren, zeigen Beispiele in 
den Wirtschaftsbüchern, nach denen die mühevolle Schweinemast für wenige 
Mark Ertrag, desgl. Hühnerzucht und Gartenbau usw. zum Zwecke der Ver— 
besserung des Einkommens betrieben wurden. 
Das wesentliche Ergebnis unserer Betrachtung ist, daß die Nebenein— 
nahmen, besonders Darlehen, Sparentnahme und Unterstützung seitens der 
Eltern und Verwandten in großem Maß— beansprucht wurden. Die Ein—
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.