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stadt die Lebensweise stark beeinflussen. Verursacht wird diese Tatsache durch
die hohe städtische Grundrente, die im Mietpreis bezahlt werden muß. Zu
dieser starken Belastung des großstädtischen Kaufmannsgehilfenhaushaltes
durch den Mietzins, treten ferne Mehraufwendungen für Hei—
zung und Beleuchtung, Steuern und unumgängliche
Aufwendungen für Erholung, die der Städter nun einmal
nicht entbehren kann. Demgegenüber kann der Kaufmannsgehilfe in der
Kleinstadt mit gleichem Einkommen mehr Hausrat, mehr Kleidung anschaffen,
außerdem für die geselligen und geistigen Bedürfnisse, für Versicherungen und
für Dienstboten mehr ausgeben. Die Mehrausgaben zur Benutzung der Ver—
kehrsmittel zur Erreichung der Arbeitsstätte oder nächsten größeren Stadt
belasten seinen Haushalt nicht übermäßig. Die unterschiedliche Lebensweise
äußert sich schließlich auch in der Wahl der Nahrungsmittel. Auch hier kann
der Bewohner der kleinen Orte mehr für Milch, Butter, Gasthausverzehr
und Genußmittel aufwenden, da er geringere Ausgaben für die pflanzlichen
Nahrunasmittel als der Kaufmannsgehilfe in der Großstadt zu machen hat.
7. Die Lebenshaltung des Kaufmannsgehilfen bei
wachsender Kopfzahl der Familie.
Wie bereits berichtet, entfallen auf einen Haushalt dieser Statistik 3,55
Personen (darunter 1,40 Kinder und 0, 10 „sonstige Personen“, zumeist
mittellose Verwandte, die in den Haushalt aufgenommen worden waren).
Die durchschnittlice Kinderzahlist außerordentlichgering,
wenn man in Vergleich zieht, daß die 852 Arbeitnehmerhaushaltungen,
welche das Statistische Reichsamt 1907 untersuchte, durchschnittlich 249
Kinder, und auch die 80 Haushaltungen, die in Hamburg im Jahre 1925
befragt wurden, 1,74 Kinder zählten. Die geringe Kinderzahl der Kauf—
manrnsgehilfen dürfte mit den schwierigen Lebensbedingungen in ursächlichem
Zusammenhang stehen. Es ist daher notwendig, das vorliegende Material
im Hinblick auf den Einfluß der verschiedenen Kopfzahl der Familien zu
ordnen und zuuntersuchen, wie die Vermehrungder Kopf—
zahlaufdie Lebenshaltungder Kaufmannsgebilfen—
haushalte einwirkt.
dem flachen Lande das Verhältnis des Einkommens zu den Mieten zumeist günstiger als
in den Groß- und Industriestädten . .. Wenn Bauland und Hausgrundstücke mehrfach und
öfter die Besitzer wechseln und jeder Besitzer verdient dabei Geld, so ist es eben nicht ver⸗
wunderlich, wenn die schon dadurch immer teurer werdenden Baustellen Anlaß zu hohen
Mieten geben. Die früheren Verhältnisse scheinen jetzt bei Wiederbeginn der Bautätigkeit
A—— erhöhender
Faktor in der Vorkriegszeit noch der Bauschwindel durch sogenannte
Baustrohmänner.“ Es wurde gezeigt, daß die meisten Haushaltbuchführer Besitzer
von Altwohnungen sind. Die verschiedenen Mietaufwendungen in Stadt und Land sind
nicht zuletzt ein Ergebnis dieser für die Vorkriegszeit geschilderten Verhältnisse. Die
Arbeitnehmer sind beute, wie die mitaeteilten Zablen zeigen. die Leidtragenden dieser
Entwickluna.