wonnen werden, welcher Art die bessere Bedürfnisbefriedigung jener Grup—
pen ist. Aehnliche Erkenntnismöglichkeiten ergeben sich, wenn wir die Lebens—
haltung in der Klein- und Großstadt oder der kinderreichen und der kinder—
armen Familien in Beziehung setzen.
In der Erkenntnis, daß die Vornahme einer soldn Arbeit in einer Zeit,
in der die sozial gehobeneren Arbeitnehmergruppen um die Aufrechterhaltung
ihrer Lebenshaltung schwer ringen müssen, nicht länger herausgeschoben wer—
den dürfe, beschloß dr Deutschnationale Handlungsgehil—
fen-Verband von sich aus eine umfangreiche Lebenshaltungsstatistik in
seinen Mitgliederkreisen zu unternehmen. Die Erhebung wurde im Jahre
1925 vorbereitet, sie erstreckte sich über das Kalenderjahr 1920 und wurde
zu Beginn 1927 abgeschlossen. In den nachfolgenden Abschnitten werden wir
die Ergebnisse mitteilen. Wir müssen jedoch diesen Ausführungen einige Be—
merkungen über die technische Durchführung der Arbeit fowie über die per⸗
sönlichen und beruflichen Verhältnisse der untersuchten Familien voranschicken.
2. Die Erbhebungsmethode.
Zur Feststellung der Einnahmen und Ausgaben der zu untersuchenden
Haushaltungen von Kaufmannsgehilfen bedienten wir uns der Haushaltungs—
buchmethode. Wir veranlaßten eine ausgewählte Zahl von Kaufmannsgehil—
fen, ein Jahr lang ein sogenanntes Haushaltun gs busch für die Zwecke
der Statistik zu führen. In dieses, jeweils für einen Monat berechnete Buch,
das, wie die umstehende verkleinerte Wiedergabe der Umschlags⸗ und einer
Tagesseite zeigt, außerordentlich einfach gehalten war, wurden täglich
alle Einnahmen und Ausgaben unter genauer Bezeichnung eingeschrieben.
Zur Erläuterung waren auf einem Vorsatzblatt die fingierten Einnahmen
und Ausgaben eines Tages eingetragen und auf der Rückseite des Umschlag—
blattes eine Anmerkung gemacht, die gewisse Richtlinien für die Durchführung
enthielt. Es wurde darauf hingewiesen, daß das Gehalt in der Gesamtsumme
einzusetzen sei, daß die Abzüge für Versicherungen, für Steuern usw. unter
Ausgaben eingetragen werden müßten, daß a IIle Einnahmen angegeben wer—
den müßten, also auch der Arbeitsverdienst der Ehefrau oder die dem Garten
entnommenen oder von Verwandten geschenkten Lebensmittel. Natürlich
seien auch Zuschüsse von Verwandten, aufgenommene Schulden und Vor—
schüsse, sowie Abhebungen von der Sparkasse genau einzuschreiben. Es sollten
möglichst die einzelnen Gegenstände angegeben werden, da nur dann ein Bild
über die wirkliche Ausgabengestaltung zu gewinnen sei.
Mit rund 400 ausgewählten Haushaltsbuchführern wurde die statistische
Arbeit begonnen. Ende 1926 lagen 350 Jahresrechnungen vor. Dieses Er—
gebnis ist außerordentlich bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, daß ge—
legentlich der letzten großen Haushaltungsstatistik des Deutschen Reiches im
Jahr 1907 noch nicht ein Viertel der Buchführer ein Jahr lang die not—⸗
wendigen Unterlagen lieferte. Bei unserer Statistik haben fast 90 v. H. der
Buchführer ein Jahr lang mit den Anschreibungen durchgehalten.
Die Monat für Monat eingegangenen Haushaltungsbücher wurden sofort
auf statistische Hilfsbogen nach grundsätzlichen Richtlinien über die Ver—
buchung der verschiedenen Ausgaben und Einnahmen übertragen. Während