Full text: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

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Störungen und Hemmungen der Wirtschaft. 99 
wußten wir freilich schon; und wenn auch noch andere Rupfer 
schmelzen und Baumwolle spinnen, so kann uns das gleich sein, 
sofern nur unser Rupfer, unsere Baumwolle gekauft wird. Da 
liegt aber der Haken. Nicht in der Stadt, wie in der Zunftzeit, 
nicht einmal im Vaterland, wo wir die Verhältnisse einigermaßen 
übersehen können, wohnen die Käufer eines sehr großen Teils 
unserer Ware, sondern im Ausländ, unter für uns ganz unüber 
sehbaren, ganz unberechenbaren Verhältnissen. 
Denken wir einmal an die amerikanische Krisis von 1907, eine 
>der stärksten der letzten Zeit, wir führten ganz außerordentlich 
viel waren nach den vereinigten Staaten aus, mit Linschluß 
der über Holland, Belgien und England deklarierten wohl weit 
über i'A Milliarden jährlich an wert. Die Rückwirkung liegt 
auf der Hand, die der Krach in Amerika für uns schon allein aus 
diesem Grunde haben mußte. 
Aber das sind, so verheerend ihre wirkimg sein kann, nur 
einzelne Fälle. Die Grundtatsache bleibt immer, daß die Pro 
duktion eine schrankenlose ist, die ohne Rücksicht auf 
den tatsächlichen Bedarf, die tatsächliche Nachfrage erfolgt. Zwar 
gibt es eine ganze Reihe von Hilfsmitteln, Erntefchätzungen, 
Produktionsstatistiken; die ganzen Warenbörsen.-sind ein versuch, 
die Kenntnis über die tatsächliche Marktlage zusammenzufassen 
und in den Kursen und Preisen zum Ausdruck zu bringen. 
Schade nur, Laß niemand gezwungen ist, von diesen Hilfsmitteln 
Gebrauch zu machen, daß jeder doch der Meinung ist, er — natür 
lich kein anderer — dürfe schon noch den versuch machen, ein 
bißchen mehr für sich abzubekommen. 
Da nun die Nachfrage schlechterdings nicht zu übersehen ist, 
namentlich nicht in ihrer Entwicklung, hat man am anderen Ende 
angefangen und sich bemüht, die seit der Zunftzeit verloren 
gegangene Regelung und nötigenfalls Beschränkung der 
Produktion wiederherzustellen. Diese versuche konnten nur 
auf solchen Gebieten gemacht werden, wo die Piroduktionsstätten 
der Zahl nach nicht allzu viele waren. Alle Schuster in Deutsch 
land unter einen Hut zu bringen, das ist wohl nicht möglich. 
Aber alle Tafelglasfabrikanten, alle Stahlwerke, alle Kohlen 
gruben, Las ist sehr wohl denkbar, und zwar kann man sogar 
weitergehen und — wenigstens in besonders günstig gelegenen 
Fällen, wo die Zahl der proSuktionsstätten besonders klein ist — 
sogar eine Anzahl Länder, vielleicht sogar ganz Europa zu-
	        
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