eine tiefgehende Meinungsverschiedenheit. Cleveland
war nicht der Mann, der sich durch die Persönlichkeit
eines anderen beeinflussen ließ; er hatte beschlossen,
dem Kongreß die Sache zu überlassen, und verharrte
bei seiner Meinung. Morgan legte ihm in seiner ein-
dringlichen Weise die wichtigsten Punkte seines Planes
dar und bewies ihm die Notwendigkeit jeder Einzel-
heit. Ihm war es klar, daß der Erfolg auf dem Ver-
kauf von Schuldverschreibungen im Ausland beruhte.
Auf keine andere Weise war Gold für das Schatzamt
zu erhalten, das nicht selbst erst aus dem Schatzamt
geholt worden war, Der Präsident konnte keinen
Fehler in der Argumentation des Bankiers entdecken,
aber er war ‚nicht zu überzeugen, Er wollte nichts
unternehmen. Die Besprechung verlief ergebnislos,
Schon früher war im Kongreß ein Gesetzentwurf
über die Ausgabe von wirklichen Goldschuldverschrei-
bungen, nicht solchen auf „gesetzliches Zahlungs-
mittel‘, eingebracht worden. Diese sogenannte Sprin-
ger-Bill war monatelang diskutiert worden; man
brauchte sie nur erwähnen, sofort brach ein Sturm
der Entrüstung los und die Dauerredner begaben sich
an die Arbeit; Gemeinplätze über Patriotismus, den
großen Reichtum des Landes, das Vertrauen des Vol-
kes, Gold als Zeichen der Knechtschaft und das „Ver-
brechen von 1873 wurden von der demokratischen
Mehrheit losgelassen, aber nichts getan, um auch nur
einen Dollar dorthin zu bringen, wo die Regierung ihn
brauchte. Am Donnerstag nachmittag wurde über die
Bill abgestimmt — sie fiel durch. Hierüber sagte die
New Yorker „World“, die Zeitung, die bei der ganzen
Agitation führend war, in einem Leitartikel:
„Das einzige, was der Regierung noch übrigbleibt,
ist, unter den besten erreichbaren Bedingungen eine
Anleihe abzuschließen, Daß diese Bedingungen schwer
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