Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

eine tiefgehende Meinungsverschiedenheit. Cleveland 
war nicht der Mann, der sich durch die Persönlichkeit 
eines anderen beeinflussen ließ; er hatte beschlossen, 
dem Kongreß die Sache zu überlassen, und verharrte 
bei seiner Meinung. Morgan legte ihm in seiner ein- 
dringlichen Weise die wichtigsten Punkte seines Planes 
dar und bewies ihm die Notwendigkeit jeder Einzel- 
heit. Ihm war es klar, daß der Erfolg auf dem Ver- 
kauf von Schuldverschreibungen im Ausland beruhte. 
Auf keine andere Weise war Gold für das Schatzamt 
zu erhalten, das nicht selbst erst aus dem Schatzamt 
geholt worden war, Der Präsident konnte keinen 
Fehler in der Argumentation des Bankiers entdecken, 
aber er war ‚nicht zu überzeugen, Er wollte nichts 
unternehmen. Die Besprechung verlief ergebnislos, 
Schon früher war im Kongreß ein Gesetzentwurf 
über die Ausgabe von wirklichen Goldschuldverschrei- 
bungen, nicht solchen auf „gesetzliches Zahlungs- 
mittel‘, eingebracht worden. Diese sogenannte Sprin- 
ger-Bill war monatelang diskutiert worden; man 
brauchte sie nur erwähnen, sofort brach ein Sturm 
der Entrüstung los und die Dauerredner begaben sich 
an die Arbeit; Gemeinplätze über Patriotismus, den 
großen Reichtum des Landes, das Vertrauen des Vol- 
kes, Gold als Zeichen der Knechtschaft und das „Ver- 
brechen von 1873 wurden von der demokratischen 
Mehrheit losgelassen, aber nichts getan, um auch nur 
einen Dollar dorthin zu bringen, wo die Regierung ihn 
brauchte. Am Donnerstag nachmittag wurde über die 
Bill abgestimmt — sie fiel durch. Hierüber sagte die 
New Yorker „World“, die Zeitung, die bei der ganzen 
Agitation führend war, in einem Leitartikel: 
„Das einzige, was der Regierung noch übrigbleibt, 
ist, unter den besten erreichbaren Bedingungen eine 
Anleihe abzuschließen, Daß diese Bedingungen schwer 
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