Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

als Mittelpunkt des Fernverkehrs eine geschält- 
liche Blütezeit. Die große Postlinie von New York 
nach Boston ging durch die Stadt: New York — New 
Haven — Middletown — Hartford — Springfield — Wor- 
cester — Boston. Drei Tage brauchte man in jeder 
Richtung. Außerdem war Hartford der Schlüsselpunkt 
für den Handel im Tale des Connecticut-Flusses nord- 
wärts fast oder ganz bis zur kanadischen Grenze, Un- 
zählige Gasthäuser waren über das ganze Land ver- 
streut, und Joseph Morgan hatte seine Hand auch in 
diesem blühenden Geschäft. 
Aber im Herbst 1839 machte die erste Lokomotive 
„Vesuvius‘“ oder „Guter Freund” oder wie sonst 
dieses plumpe Stück Maschinerie sich nannte — ihre 
erste langsame Fahrt durch den Staat. Hartfords ge- 
schäftliche Lage änderte sich von Grund auf. Seine 
alten Kunden wurden durch die Kaufleute konkur- 
rierender Städte fortgelockt, Jahr für Jahr gingen 
mehr Postkutschenlinien ein. Der geschäftstüchtige 
Joseph Morgan aber stellte sich schnell um. 
Er eröffnete in Hartford ein großes Hotel, das 
„City Hotel”, und bald darauf trat er im Zusammen- 
hang mit der Ätna- Feuerversicherungsgesellschaft 
ebenda auch als Kapitalist auf. Damals hatten die 
Versicherungsgesellschaften keine Bargeldbestände zur 
Regelung von Schadensfällen. Ihr Kapital bestand aus 
Schuldverschreibungen der hauptsächlichsten „soliden 
Leute” der Stadt; diese Verschreibungen lauteten über 
Beträge von 5 bis 10000 Dollar. Man rechnete damit, 
daß der Gewinn aus den eingehenden Prämien es un- 
nötig machen würde, auf die Aussteller der Schuld- 
scheine zur Begleichung von Feuerschäden in bar zu- 
rückzugreifen. Aber ein großes Schadenfeuer in New 
York änderte die Lage gründlich. Eine Zeit schwerer 
Verluste folgte, und die Gefahr der Inanspruchnahme 
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