herrschen der werbenden Tätigkeit mit ihrer unvermeid-
lichen Wiederholung von oft gehaltenen Reden und Vor-
trägen, über die ich mehr als einmal abfällige Urteile
gehört habe, muß aber die theoretische Weiterentwicklung
und damit auch die praktischen Erfolge beeinträchtigen.
Die sozialdemokratische Partei, mit ihren großen agita-
torischen Erfolgen und ihrem versagen in allen praktischen
Fragen, kann als warnendes Beispiel dienen.
Schon in der ersten Auflage dieses Buches ist von mir
auf die ganz unklare Stellung der Bodenreformer zu der
Malthus sc< en Bevölkerunglehre hingewiesen wor-
den. Nach dieser Theorie soll die Bevölkerung die Nei-
gung haben, sich stärker zu vermehren, als es die ihr zu
Gebote stehenden Nahrungmittel zulassen. Auf S. 10 ist
hier schon einiges darüber gesagt worden. Es ist klar,
daß diese Theorie für den Erfolg jeder Reformarbeit von
großer Tragweite ist. Wenn die Lehre des Malthus voll-
kommen richtig ist, muß jede Reformarbeit letzthin zur
Fruchtlosigkeit verurteilt sein. Trotz dieser großen Be-
deutung der Lehre sind die Bodenreformer bis jetzt über
ihren Wert nicht einig geworden. Henry George hat die
Theorie des Malthus, wie wir gesehen haben, lebhaft be-
kämpft und Michael Flürscheim hat sich ihm angeschlossen.
Adolf Damaschke hat die Lehre in seinem Buch Boden-
reform auf S. 34 klar und scharf abgelehnt. In seiner
Geschichte der Nationalökonomie ist dem Bevölkerung-
gesetz ein besonderer Abschnitt gewidmet worden. Er
hat Friedrich Li st und Friedrich Engels gegen die
Malthusschen Annahmen ins Feld geführt und hat man-
ches angeführt, was gegen die Theorie des Malthus
spricht. Von Adolf Wagner und Friedrich Albert
Lange, deren Autorität auf diesem Gebiete nicht gerin-
ger eingeschätzt werden kann, ist dagegen die Malthussche
Bevölkerunglehre, wie auf S. 11 und 20 gezeigt wor-
den ist, in der Hauptsache, von Wagner sogar in ihrem
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