Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

sichtlich eine fürchterliche Finanzpanik herbeigeführt 
habe, die die Wirtschaft lähmen, die Industrie ruinie- 
ren, seine eigenen Interessen gefährden und das ganze 
Land um 10 Jahre zurückwerfen konnte, nur um zu 
möglichst niedrigem Preis ein auf 17 Millionen Dollar 
gewertetes Aktienpaket kaufen zu können. Diejeni- 
gen, die diese Ansicht aussprachen, stützten sich dar- 
auf, daß die Tennessee Coal & Iron mit ihrem großen 
Besitz an Erzfeldern und ihrer Anwendung des Flamm- 
ofenprozesses bei der Herstellung von Stahl eine außer- 
ordentlich wertvolle Erwerbung für den Stahltrust ge- 
wesen sei. Das läßt sich auch keineswegs bestreiten. 
Die Stahltrustleute versicherten während der Panik, 
daß ihnen an der Tennessee Coal & Iron weiter nichts 
liege und daß sie sie nur übernähmen, um die schwie- 
rige Lage zu erleichtern. Wenige Monate später aber 
veröffentlichte Präsident Gary von der United States 
Steel eine Feststellung, in der er Nachdruck auf den 
großen Wert dieser neu erworbenen Gesellschaft legte. 
Man kann nun die Behauptung, daß Morgan und seine 
Geschäftsfreunde eine das ganze Land umfassende 
Panik inszenierten, um eine konkurrierende Stahl- 
fabrik aufzukaufen, beiseite lassen. Es ist nämlich 
vollkommen logisch, anzunehmen, daß zwar ihr erster 
Gedanke der war, die Panik zu beendigen, daß sie 
aber durchaus nicht böse darüber waren, das unter 
Vorteil für sich selbst anstatt mit Nachteil bewerk- 
stelligen zu können, Allerdings wurden die Spekulan- 
ten, die die Panik mit im Kurs sinkenden Papieren 
überraschte, nicht weiter bedauert. 
Die Transaktion wurde in verschiedenen Bespre- 
chungen in Morgans Bibliothek beschlossen, Dort fan- 
den sich in den frühen Morgenstunden die meisten Be- 
herrscher von Wall Street ein, gingen von dort aus in 
ihre Büros und kehrten abends wieder zurück. Ähn- 
”16
	        
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