sich mit der großen Masse gut zu stellen, abhängig ge-
wesen wäre, so hätte er sicher Schiffbruch erlitten.
In der New Yorker Finanzwelt gab es kaum füntzig
Männer, die mit Morgan gut bekannt waren, ist ein-
mal gesagt worden. Es kommt nicht darauf an, ob
diese Zahl absolut genau ist, Tatsache aber ist, daß
sein Bekanntenkreis recht klein war und daß er nur
sehr wenig wirkliche Freunde hatte, meistens Männer,
die er von Jugend auf kannte, und meistens solche, mit
denen er geschäftlich nicht zu tun hatte. Er war
äußerst abgeneigt gegen jeden. persönlichen Kultus,
der mit ihm getrieben werden sollte, er erschien nie in
öffentlichen Versammlungen und war auf die nicht ab-
zuschreckenden Reporter und Photographen, die sich
unfehlbar auf ihn stürzten, wenn er nach Europa fuhr
oder von dort zurückkehrte, außerordentlich schlecht
zu sprechen. In London bestand er darauf, daß man
nicht darauf achtete, wenn er ins Büro kam oder fort-
ging, und er hatte seinen Angestellten ausdrücklich
untersagt, ihn mit tiefen Verbeugungen zu begrüßen.
Wenn er vor seinem Haus oder seiner Bank in New
York im Wagen oder Auto vorfuhr, so war er mit zwei
schnellen und energischen Schritten im Gebäude, und
wer etwa versucht hätte, ihn bei dieser Gelegenheit
zu stellen, hätte wohl nur einen durchdringenden
Blick davongetragen.
Morgans starke Persönlichkeit machte sich auch
in allem geltend, was er unternahm. ob es sich nun um
die Erwerbung eines Gemäldes oder eines Porzellans,
au dem ihm sehr viel lag, für seine Sammlungen oder
um die Ordnung der Verhältnisse einer vor dem Bank-
rott stehenden Bank handelte, Er war die geborene
Führernatur, Zweifel und Unschlüssigkeit waren ihm
fremd, seine Handlungen waren wie ein Blitzschlag,
schnell und unabwendbar. Die Wirkungen seiner im
226