Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

sich mit der großen Masse gut zu stellen, abhängig ge- 
wesen wäre, so hätte er sicher Schiffbruch erlitten. 
In der New Yorker Finanzwelt gab es kaum füntzig 
Männer, die mit Morgan gut bekannt waren, ist ein- 
mal gesagt worden. Es kommt nicht darauf an, ob 
diese Zahl absolut genau ist, Tatsache aber ist, daß 
sein Bekanntenkreis recht klein war und daß er nur 
sehr wenig wirkliche Freunde hatte, meistens Männer, 
die er von Jugend auf kannte, und meistens solche, mit 
denen er geschäftlich nicht zu tun hatte. Er war 
äußerst abgeneigt gegen jeden. persönlichen Kultus, 
der mit ihm getrieben werden sollte, er erschien nie in 
öffentlichen Versammlungen und war auf die nicht ab- 
zuschreckenden Reporter und Photographen, die sich 
unfehlbar auf ihn stürzten, wenn er nach Europa fuhr 
oder von dort zurückkehrte, außerordentlich schlecht 
zu sprechen. In London bestand er darauf, daß man 
nicht darauf achtete, wenn er ins Büro kam oder fort- 
ging, und er hatte seinen Angestellten ausdrücklich 
untersagt, ihn mit tiefen Verbeugungen zu begrüßen. 
Wenn er vor seinem Haus oder seiner Bank in New 
York im Wagen oder Auto vorfuhr, so war er mit zwei 
schnellen und energischen Schritten im Gebäude, und 
wer etwa versucht hätte, ihn bei dieser Gelegenheit 
zu stellen, hätte wohl nur einen durchdringenden 
Blick davongetragen. 
Morgans starke Persönlichkeit machte sich auch 
in allem geltend, was er unternahm. ob es sich nun um 
die Erwerbung eines Gemäldes oder eines Porzellans, 
au dem ihm sehr viel lag, für seine Sammlungen oder 
um die Ordnung der Verhältnisse einer vor dem Bank- 
rott stehenden Bank handelte, Er war die geborene 
Führernatur, Zweifel und Unschlüssigkeit waren ihm 
fremd, seine Handlungen waren wie ein Blitzschlag, 
schnell und unabwendbar. Die Wirkungen seiner im 
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