Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

Am Tage vor dem Ablauf des französischen Vor- 
kaufsrechtes wurde der Händler gebeten, es um eine 
Woche zu verlängern. Ein Direktor des Louvre teilte 
ihm mit, er hoffe, daß der Minister der Schönen 
Künste bis dahin seine Einwilligung zu dem Kauf 
geben werde. Der Verkäufer suchte Morgan auf, um 
seine Zustimmung zu dieser Regelung zu erbitten, die 
er sofort gab. „Es ist nicht die Gewohnheit des Metro- 
politan Museum“, sagte er, „noch ist es die meine, 
ein Institut wie den Louvre daran zu verhindern, von 
den Kunstschätzen seines eigenen Landes zu kaufen, 
was es wünscht.” Er fügte noch ausdrücklich hinzu, 
daß er gern sein Einverständnis zu der Fristverlänge- 
rung gebe. 
Nach Ablauf der nächsten Woche teilte der Mi- 
nister jedoch mit, daß der Preis zu hoch sei. Morgan 
kaufte darauf die Gobelins. Zehn Tage später schlug 
die Direktion des Louvre Morgan vor, einen Gobelin 
zurückzukaufen, Morgan erwiderte, es täte ihm sehr 
leid, aber jetzt sei es zu spät, 
Gern ging er nach Rom und fühlte sich in dieser 
Stadt, dem Kunstzentrum aller Zeiten, mehr und 
mehr zu Hause. Die Rückgabe des Ascoli-Pokals 
durch ihn, nachdem er erfahren hatte, daß dieses teuer 
erworbene Stück gestohlen war, mußte selbstver- 
ständlich freundliche Gefühle gegen ihn in Italien er- 
regen. Bei Gelegenheit des Kunstfestes 1911 wurde 
er in einem bemerkenswerten Brief eingeladen, die 
Ehrenpräsidentschaft des ausländischen Ausschusses 
zu übernehmen, Das Komitee sagte in dem Brief, 
nachdem es die Wichtigkeit der Ausstellung hervor- 
gehoben hatte: „Es ist ganz natürlich, daß unsere 
Blicke zu allererst auf Sie gelenkt werden, der Sie 
durch Ihren auserlesenen Geschmack, Ihr großes 
Wissen und Ihren grenzenlosen Edelmut der hervor- 
JA 
A
	        
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