Am Tage vor dem Ablauf des französischen Vor-
kaufsrechtes wurde der Händler gebeten, es um eine
Woche zu verlängern. Ein Direktor des Louvre teilte
ihm mit, er hoffe, daß der Minister der Schönen
Künste bis dahin seine Einwilligung zu dem Kauf
geben werde. Der Verkäufer suchte Morgan auf, um
seine Zustimmung zu dieser Regelung zu erbitten, die
er sofort gab. „Es ist nicht die Gewohnheit des Metro-
politan Museum“, sagte er, „noch ist es die meine,
ein Institut wie den Louvre daran zu verhindern, von
den Kunstschätzen seines eigenen Landes zu kaufen,
was es wünscht.” Er fügte noch ausdrücklich hinzu,
daß er gern sein Einverständnis zu der Fristverlänge-
rung gebe.
Nach Ablauf der nächsten Woche teilte der Mi-
nister jedoch mit, daß der Preis zu hoch sei. Morgan
kaufte darauf die Gobelins. Zehn Tage später schlug
die Direktion des Louvre Morgan vor, einen Gobelin
zurückzukaufen, Morgan erwiderte, es täte ihm sehr
leid, aber jetzt sei es zu spät,
Gern ging er nach Rom und fühlte sich in dieser
Stadt, dem Kunstzentrum aller Zeiten, mehr und
mehr zu Hause. Die Rückgabe des Ascoli-Pokals
durch ihn, nachdem er erfahren hatte, daß dieses teuer
erworbene Stück gestohlen war, mußte selbstver-
ständlich freundliche Gefühle gegen ihn in Italien er-
regen. Bei Gelegenheit des Kunstfestes 1911 wurde
er in einem bemerkenswerten Brief eingeladen, die
Ehrenpräsidentschaft des ausländischen Ausschusses
zu übernehmen, Das Komitee sagte in dem Brief,
nachdem es die Wichtigkeit der Ausstellung hervor-
gehoben hatte: „Es ist ganz natürlich, daß unsere
Blicke zu allererst auf Sie gelenkt werden, der Sie
durch Ihren auserlesenen Geschmack, Ihr großes
Wissen und Ihren grenzenlosen Edelmut der hervor-
JA
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