Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

lichen die eines Vermittlers von Aufträgen und Geld- 
mitteln, 
Am allerklarsten aber tritt diese Einseitigkeit — 
die übrigens hier nicht als Schwäche bezeichnet wer- 
den soll — wohl in seinem Verhalten in bezug auf die 
Fragen der Sozialpolitik hervor, die in Amerika seit 
dem Kriege ja in immer steigendem Maße diskutiert 
werden. Der ältere Morgan war der Unternehmer 
alten Stils, der eine Art patriarchalischen Verhält- 
nisses zu den Arbeitern der unter seiner Kontrolle 
stehenden Betriebe anstrebte, Gewerkschaftliche Be- 
tätigung aber duldete er nicht, organisierte Arbeiter 
wurden nicht angestellt. Er war ausgesprochen ein 
Feind der Arbeiterbewegung, Daß er dabei weniger 
den Schaden des Arbeiters als vielmehr das Wohl- 
ergehen der Betriebe, für die er mit verantwortlich 
war, im Auge hatte, das aber seiner Meinung nach 
durch ein Mitbestimmungsrecht der Arbeiter bedroht 
war, beweist wohl die Tatsache, daß er sie durch 
Überlassung von Aktien (besser wohl gesagt Divi- 
dendenbezugsscheinen) an der Entwicklung des Wer- 
kes finanziell beteiligte. Jedenfalls kann man mit 
Sicherheit annehmen, daß er eine festgefügte Meinung 
über die Arbeiterfrage besaß, 
Anders der junge Morgan. Er ist nicht für und nicht 
wider die Arbeiterbewegung — sie ist ihm gleich- 
gültig. Er interessiert sich nicht für sie. Es fehlen ihm 
alle. Vergleichspunkte und Möglichkeiten, ihre Be- 
rechtigung oder Nichtberechtigung zu prüfen, Er scheint 
mit der gerade bestehenden Lage zufrieden zu sein 
und sie als etwas Gegebenes hinzunehmen. So kommt 
es, daß in manchen der seiner Kontrolle unterstehen- 
den industriellen Unternehmungen den Arbeitern die 
während des Weltkrieges errungenen Rechte wieder 
streitig gemacht werden, während in anderen (z. B. 
DER
	        
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