Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

wollende Morgan verborgen gewesen sein. Die Be- 
sprechungen sollen den Zweck gehabt haben, die Über- 
nahme deutscher _Reparationsschuldverschreibungen 
durch eine internationale Gruppe vorzubereiten. Parker 
Miller reiste von Berlin aus nach Prag und Wien. 
Wie kaum anders zu erwarten war, wurde diese 
Meldung von den interessierten Kreisen dementiert. 
Zu der Zeit, als Parker Miller sich in Berlin aufhielt, 
sollte Morgan in Schottland gewesen sein; auch ließ 
er erklären, er habe seit Kriegsausbruch Berlin nicht 
mehr besucht. Auch von Parker Miller und seinen 
angeblichen Besprechungen wollte er nichts wissen. 
Nicht dementiert wurde dagegen, daß Morgan im Mai 
1922 mit Lloyd George in London eine Besprechung 
über die internationale Finanzlage abhielt. Hierbei 
kann es sich natürlich auch kaum um andere Fragen 
gedreht haben als die, die der angebliche Parker Miller 
in Berlin diskutiert hatte. 
Die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich 
sowie die darauf folgende katastrophale Inflation in 
Deutschland ließ eine Regelung der internationalen 
Finanzlage dringend geboten erscheinen. Denn die 
europäischen Schuldnerstaaten der Union erklärten, 
ihre Schulden nur dann zurückzahlen zu können, wenn 
sie die im Friedensvertrag von Versailles verankerten 
Reparationszahlungen von Deutschland erhielten. Die 
Stabilisierung der Währung und die Begründung der 
neuen Rentenmarkwährung, die Deutschland ohne 
Hilfe von außen durchführte, ließen die Bahn frei er- 
scheinen für eine derartige Regelung. 
Schon in den letzten Monaten des Jahres 1923 
tauchte das Projekt auf, die deutsche Wirtschaftslage 
und Zahlungsfähigkeit durch ein Komitee von Sach- 
verständigen unter amerikanischer Führung unter- 
suchen zu lassen, dessen Gutachten dann die Grund- 
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