Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

lage zur Regelung der deutschen Zahlungen an die 
Siegerstaaten und damit auch der Zahlungen der euro- 
päischen Schuldner an die Vereinigten Staaten bilden 
sollte. Mitte Dezember wurden als Kandidaten für 
den Posten eines amerikanischen Sachverständigen 
genannt General Charles G. Dawes, Owen Young, der 
Vorsitzende der Internationalen Handelskammer Booth, 
der frühere Staatssekretär N. H. Davis, ferner die 
Bankiers John Pierpont Morgan, Mortimer Schiff, B. B. 
Barnett und G. Reynolds. Hier ergibt sich bereits die 
Rivalität der Häuser Morgan & Co. und Kuhn, Loeb 
& Co.; der Vertreter des letztgenannten Hauses war 
Schiff, Wenige Tage später wurde die Kandidatur der 
Bankiers, besonders Morgans und Schiffs, als un- 
erwünscht bezeichnet, da sie zu unmittelbar am inter- 
nationalen Bankwesen interessiert seien, während 
man wünschte, als Sachverständige möglichst un- 
parteiische Männer aufzustellen. 
Am 18. Dezember 1923 wurden denn tatsächlich 
Dawes und Young als Sachverständige ernannt, und 
ihnen wurde für Budgetfragen noch der Bruder des 
Generals Dawes, Rufus Dawes, beigegeben, Die Sach- 
verständigen sollten nur als Privatleute, nicht etwa als 
Vertreter der amerikanischen Regierung tätig sein. 
So unparteiisch diese Wahl auch aussah, so war 
sie es doch in Wirklichkeit durchaus nicht, Ameri- 
kanische Zeitungen erkannten denn auch an, daß 
General Dawes im Grunde genommen den später nach 
ihm benannten Plan nur mit seinem Namen gedeckt 
habe, während er in ganz beschränktem Maße als 
wirklicher Urheber gelten könne. Viel eher noch sei 
Young als solcher zu bezeichnen, der infolge seiner 
früheren Verbindung mit der A.E.G., und seines Auf- 
enthaltes in Deutschland vor dem Krieg die deutschen 
Verhältnisse sehr genau kannte und am besten in der 
88°)
	        
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