Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

Morgan, der sich schon bei seiner letzten An- 
wesenheit in Europa sowohl bei der französischen wie 
bei der englischen Regierung eingehend über ihre 
Stellungnahme zu dem Sachverständigen-Gutachten 
orientiert hatte, und der fest überzeugt war, daß nur 
die Annahme dieses Gutachtens und damit die Schaf- 
fung eines modus vivendi zwischen Deutschland und 
Frankreich eine Klärung der internationalen Finanz- 
lage herbeiführen könnte, hatte sich schon längst ent- 
schieden, seinen Einfluß zugunsten des Gutachtens in 
die Wagschale zu werfen, Er hatte infolgedessen schon 
vor der Londoner Konferenz den Kurs verschiedener 
französischer Papiere durch Börsenmanöver heben 
lassen, und ließ darauf der Öffentlichkeit durch die 
Presse, die bisher gegen eine Verständigung zwischen 
Deutschland und Frankreich gewesen war, mitteilen, 
daß sich dieser wohltätige Einfluß infolge der erhofften 
Einigung bemerkbar machte. Auch vergaß die Presse 
nicht, darauf hinzuweisen, daß durch die Währungs- 
stabilisierung in Deutschland sich dessen Kaufkraft 
heben werde, so daß es wieder mehr wie bisher als 
Abnehmer der amerikanischen Landwirtschaft und 
Industrie, die in der Nachkriegszeit eine bedenkliche 
Krise durchgemacht haite, in Betracht kommen könne. 
Zu allerletzt aber wäre der ganze wohldurch- 
dachte Plan beinahe ins Wasser gefallen. Frankreich 
und Belgien wollten auf das Recht, Sanktionen über 
Deutschland zu verhängen, wenn es mit den Zahlungen 
nach dem Dawes-Plan in Rückstand geraten sollte, 
nicht verzichten. Nun hatte zwar die Morgan-Gruppe, 
wic mehrfach erwähnt, stets betont: „Keine Sank- 
tionen”, aber es gelang dem belgischen Vertreter auf 
der Londoner Konferenz, Theunis, eine neue Banken- 
gruppe für die Finanzierung der deutschen Anleihe 
zu bilden, die im Prinzip nicht absolut sanktionsfeind- 
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