Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

bilts South Pennsylvania baute eine Parallellinie zu 
der Hauptstrecke der Pennsylvania, und sein Ein- 
dringen in das Ölgebiet von Clearfield, das die Penn- 
sylvania bediente, war vielleicht der bitterste Wer- 
mutstropfen in dem Leidensbecher. Alle Bahnen hat- 
ten billige Frachtkontrakte für lange Zeit im voraus 
abgeschlossen, sie hatten die Personenfahrpreise er- 
niedrigt, und die Demoralisation war so groß, daß keine 
Beschlüsse der Präsidentenversammlungen die Schwie- 
rigkeiten beheben konnten. 
Das war die Lage, als Morgan im Juni 1885 aus 
Europa zurückkehrte. Er sprach von seinen Ein- 
drücken drüben. Ausgesprochen unangenehm, selbst 
bitter waren sie gewesen. Die amerikanischen Eisen- 
bahnen hatten einen sehr schlechten Ruf drüben, 
„skrupelloser Wettbewerb‘, „nachlässige Buchfüh- 
rung", „Barbarei”, „Wahnsinn”, „unverschämte Spe- 
kulation‘ — das waren die Worte, die er am häufigsten 
in Verbindung mit amerikanischen Bahnen gehört 
hatte, Eines der großen englischen Monatsmagazine 
schmähte die Industrieführer unter der Überschrift 
„Amerikanische Finanzpiraten". 
Diese Sachlage ärgerte Morgan. Obwohl er kein 
Eisenbahnmann war. — er war stets ein Bankier ge- 
wesen — konnte er nicht länger untätig zusehen, wie 
die Ziele, denen er nachstrebte und sein ganzes Leben 
lang nachgestrebt hatte, geopfert wurden. „Ich kam zu 
dem Entschluß', sagte er, „daß man irgend etwas 
unternehmen müsse.” 
Die West Shore und die South Pennsylvania waren, 
um Morgans eigenen Ausdruck zu gebrauchen, die 
beiden schlimmsten Eiterbeulen. Da die Beilegung 
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