Object: Nationalökonomie (Teil 1)

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seitig durch übermäßige Konkurrenz. Fehlt es dagegen an Fabriken, 
um das vorhandene Rohmaterial zu verarbeiten, ist somit umlaufendes 
Kapital im Ueberschusse vorhanden, so wird auch dieses volkswirtschaft- 
lich ein Nachteil sein. 
Für die Entwicklung der ganzen Volkswirtschaft ist es aber not- 
wendig, fortdauernd umlaufendes Kapital in stehendes zu verwandeln 
and letzteres mehr und mehr anzuhäufen und zu verallgemeinern. In 
der Landwirtschaft müssen sowohl .privatwirtschaftlich wie volkswirt- 
schaftlich die Ueberschüsse der Ernten in Geld verwandelt und mög- 
lichst dazu benutzt werden, den Boden durch Meliorationen zu VYer- 
bessern, Gebäude und Inventarium zu ergänzen, um den Boden 
ertragsfähiger, die ganze Wirtschaft leistungsfähiger zu machen. Unter 
sonst günstigen Verhältnissen wird die Ausdehnung der Fabrik, An- 
legung neuer Bergwerke zur nachhaltigen Erhöhung des Volkswohl- 
standes beitragen, wie es die Aufgabe ist, durch Verbesserung der 
Kommunikationsmittel die Grundlage für die Erweiterung der Pro- 
duktion zu schaffen und damit dem Lande einen nachhaltigen Auf- 
Schwung zu gewähren. 
Ist so die Vermehrung des stehenden Kapitals die Vorbedingung 
wie die Folge jedes wirtschaftlichen Aufschwunges und der Zunahme 
des Volkswohlstandes, so ist die Verminderung desselben ein Zeichen 
des Verfalls, oder, wenn sie gewaltsam herbeigeführt wird, wie durch 
sinen Krieg, eine dauernde Schädigung des Landes, die erst im Laufe 
der Zeit ausgeglichen werden kann, Eben deshalb wird ein Bürger- 
zrieg das Land am meisten schädigen, ein Krieg, der im Auslande 
geführt wird, am wenigsten. Darum konnten die Folgen des dreißig- 
jährigen Krieges in Deutschland erst in zwei Jahrhunderten aus- 
zeglichen werden, weil in demselben Felder, Gehöfte, Städte zerstört, 
der Viehstand vernichtet wurde, und damit die Grundlagen der Pro- 
duktion dem Lande genommen waren. So brauchte Frankreich nach 
dem Kriege von 1870/71 eine Reihe vom Jahren, um die verbrannten 
Gebäude, die gesprengten Brücken wieder herzustellen, den Viehstand, 
lie Maschinen zu ergänzen, um die wirtschaftliche Thätigkeit allseitig 
wieder durchführen zu können, wie sie vorher bestanden hatte, während 
in Deutschland nach Beendigung des Krieges und der Rückkehr der 
Mannschaften sofort der Produktionsprozeß nach allen Richtungen in 
arhöhtem Maßstabe aufgenommen werden konnte, weil das stehende 
Kapital intakt geblieben war, und nur umlaufendes in der Heeresaus- 
rüstung und den Unterhaltsmitteln aufgezehrt und neu zu ergänzen war. 
Wie geht nun die Kapitalsbildung vor sich? Adam Smith 
führt sie allein auf das Sparen zurück, doch ist das zu sehr privat- 
wirtschaftlich gedacht. Der Landwirt bildet allerdings, wie ebenso der 
Industrielle und Kaufmann Kapital, indem er den Reinertrag seines 
Geschäftes, den Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben nicht 
ganz für persönliche Zwecke verbraucht, sondern einen Teil davon 
wiederum wirtschaftlich anlegt, sei es in dem eigenen Geschäft, sei es 
Jurch Gewährung von Darlehen. Dieses spielt natürlich auch in der 
Volkswirtschaft eine Rolle. Ein ganzes Volk wird gleichfalls an Wohl- 
stand zunehmen, wenn es mehr produziert, als konsumiert. Aber es 
erklärt dieses nicht den ganzen Vorgang. Die hauptsächlichste Kapitals- 
bildung geht in unserer Zeit dadurch vor sich, daß ein ‚bedeutender 
Teil der selbstthätigen Personen, wie überhaupt der industriellen Arbeit 
darauf gerichtet ist, nicht unmittelbar Nutzgüter herzustellen, sondern 
Kapitals- 
bildung,
	        
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