Die Nachahmung.
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vielfach zunächst rein äußerlich die Erwachsenen in Sprache, Sitte usw. nach. Allmählich
aber entwickelt sich ein Verständnis für den Inhalt, und durch einen Vorgang
der Konvergenz tritt schließlich Angleichung an die Erwachsenen ein, In einem
anderen Sinne äffen die Naturvölker vielfach die Kultur der Europäer in Kleidung
und äußerem Benehmen nach. Hier entstehen oft wahre Karrikaturen unserer Gesittung.
Literatur: Über das Wesen der Nachahmung von innen heraus s. $5 Ende.
— Allgemein: die Bücher von Karl Groos über die Spiele der Tiere und die
Spiele der Menschen. — Thorndike, Animal intelligence, besonders S. 76 fg. und
250 fg. (will die Bedeutung der N. sehr einschränken zugunsten von Instinkt. Übung
und Anpassung). — Lloyd Morgan, Instinkt und Gewohnheit S. 85 fg. — Wallace,
Natural selection ch. 4. — Romanes, Geistige Entwicklung im Tierreich. —
William Stern, Psychologie der frühen Kindheit S. 48 fg. — G. Compayre,
Die Entwicklung der Kindesseele S. 235 fg.
11. Die verbale Beeinflussung der Überzeugungen
und anderer Bewußtseinsvorgänge.
Inhalt: Jede ausgesprochene Überzeugung hat eine Tendenz, von den Hörern
ohne Prüfung angenommen zu werden. Gläubigkeit ist mit anderen Worten eine allgemeine
Eigenschaft des Menschen. Freilich hat sie ebenso allgemein gewisse Grenzen
wie die entgegengeseöte Verhaltungsweise der kritischen Prüfung. Je nach den einwirkenden
Einflüssen ist sie bei denselben Individuen stärker oder schwächer entwickelt.
Insbesondere wird sie durch die Autorität des Mitteilenden gesteigert. Sie
beruht legthin auf der ursprünglichen Einheit der objektiven und subjektiven Seite
des Mitteilungsaktes und der „Annahme“ der mitteilenden Person durch die empfangende.
— Versteht man unter Suggestion einen abnormen oder pathologischen Vorgang,
so muß man diesen Begriff auf solche Fälle der Beeinflussung (zunächst von Überzeugungen)
beschränken, bei denen die Annahme der dargebotenen Überzeugung eine
Erniedrigung des logischen Niveaus, überhaupt eine Entfremdung des eigenen Ich, eine
Umbiegung seiner gewohnten Denkweise bedeutet. — Für die Beeinflussung von Gefühlen.
Willensakten und organischen Vorgängen gilt Entsprechendes.
1. Der Vorgang der Nachahmung zeigt uns, wie sich Willensvorgänge
unter Umständen von einem Individuum auf seine Umgebung ausbreiten.
In derselben Weise haben wir früher eine Ausbreitung von Gefühlen
kennengelernt. Wir betrachten jegt den entsprechenden Vorgang auf
dem Gebiete der Überzeugungen oder, wie man gewöhnlich sagt, der Urteile
und Gedanken. Denn auch für jede ausgesprochene Überzeugung
besteht eine Tendenz, sich über alle diejenigen auszubreiten, die sie zu
hören bekommen. Die Tatsache einer solchen Beeinflussung der Vorstellungen
und Gedanken durch den bloßen Akt der Aussprache hat man
erst neuerdings und zwar im Zusammenhang der Tatsache der Hypnose
unter dem Namen der Suggestion kennen und beachten gelernt. Freilich
wird sie durch diesen Zusammenhang in eine pathologische Beleuchtung
gerückt und irrtümlich als Ausnahme aufgefaßt. Tatsächlich handelt es
sich um etwas völlig Normales. Der Mensch besigt von Haus aus eine