Das Wesen der Gesellschaft.
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wie als Gegenstände der Jagd den Charakter bloßer Nüsglichkeitsgegen-
stände gewinnen. Speziell der Kampf zeigt neben solchen Formen, denen
gerade die innere Verbundenheit ihr eigenartiges Gepräge verleiht
($ 25), solche, die zum reinen Sachverhältnis neigen. Dahin gehört der
Kampf gegen die Verbrecher wie der Krieg, der legtere jedoch nur, wenn
er sich gegen als fremd empfundene Völker richtet.
Anderseits können körperliche Objekte in einer ähnlichen Weise zu
uns sprechen wie menschliche Mitglieder der Gesellschaft. Alles Hab
und Gut, das zu unserem Selbstgefühl enge Beziehungen besigt, gehört
hierher und ebenso alle Objekte, die wie Erinnerungsträger oder Heilig-
tümer mit unserem Innenleben eng verflochten sind und dadurch einen
symbolischen Wert gewinnen. Kurz gesagt alle materiellen Träger eines
objektiven Geistes besigen mehr oder weniger Gesellschaftscharakter.
Sie vermögen zwar nicht in dem Maße wie der Mensch mit dem Ich einen
Verkehr zu pflegen, weil ihnen die menschlichen Fähigkeiten des Aus-
druckes und der Mitteilung abgehen; sie können jedoch ebenfalls den
Menschen als ein „Du‘ ansprechen, weil es jedem Objekt gegenüber
eine große Fülle von Auffassungsmöglichkeiten gibt und der Mensch in
diesem Fall ihm in seiner jeweiligen Auffassung diejenigen Züge zu ver-
leihen vermag, die sein innerstes Leben in Bewegung segben.
Über die Fähigkeit der Vergemeinschaftung mit unpersönlichen Gebilden s.
$ 13, und $ 19,,. Hier nur einige Beispiele für das Vorkommen eines Sozialverhält-
nisses ihnen gegenüber. Das Bild eines Menschen kann uns so nahe stehen, daß wir
seine Vernichtung wie die Vernichtung eines lebendigen Wesens empfinden. Unsere
Heimat erzählt uns von unserer Jugend. Ein Ring spricht uns von dem Glück ent-
schwundener Jahre; eine Landschaft vermag uns in wehmütige oder heitere Stimmung
zu versegen, und die Kunst der Dichtung hat diese Sprache besonders ausgebildet. —
Für die Erklärung dieser Wirkung nur ein paar Andeutungen. Der schaffende Mensch
legt in sein Werk seine ganze Person hinein: daraus erklärt es sich, daß dieses
wieder zu ihm spricht, wie wenn ein zweites Ich ihm gegenüber stände. Symbole nach
Art der Fahne oder des Ringes haben bedeutsame Erlebnisse in sich aufgespeichert
und gewinnen dadurch eine starke Ausdruckskraft — etwa wie Menschen, mit denen
man alle jene Ereignisse zusammen erlebt hat. Ähnlich beruht die sprechende Wir-
kung der heimatlichen Landschaft darauf, daß sie gleichfalls als ein Erinnerungs-
träger uns gegenübertritt vermöge der Jugenderlebnisse. die in ihr verdichtet sind.
Die Grenze zwischen der Sachwelt und der Gesellschaft verläuft
also nicht parallel mit derjenigen zwischen der Körperwelt und der
menschlichen Welt. Man kann nur sagen: es besteht eine Tendenz,
daß die Körper als Sachen und die Menschen als gesellschaftliche Objekte
erscheinen. Auch kann das Gesellschaftsverhältnis seine vollkommenste
Ausprägung nur an menschlichen Trägern erfahren; und vom Sach-
verhältnis gilt in etwas abgeschwächter Weise dasselbe hinsichtlich der
Körperwelt. Beide Bereiche sind dabei nicht durch eine schroffe Kluft