Full text: Gesellschaftslehre

Die verschiedenen Arten der Gemeinschaft. 
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119. Die verschiedenen Arten der Gemeinschaft. 
L. Unterscheiden wir zwischen dem Subjekt und dem Objekt der Ge- 
meinschaft, so kann ihr Subjekt nur der Mensch sein, während ihr Ob- 
jekt sich nicht auf den Menschen beschränkt. Nach dem Gegenstand, den 
die Gemeinschaftshaltung umfaßt, können wir vielmehr vier Arten der 
Gemeinschaft unterscheiden. Zunächst bieten sich als solche Gegenstände 
dar einerseits menschliche Personen, andererseits außermenschliche (und 
außertierische) Gebilde wie ein Kunstwerk, eine Religion oder die Hei- 
mat. Daneben gibt es aber noch einen dritten Gegenstand und er tritt 
am häufigsten auf, nämlich die Gruppe. Dabei kann die Gruppe ent- 
weder in ihren einzelnen Mitgliedern verkörpert erscheinen, oder sie 
kann einen mehr abstrakten Charakter besigen, indem sie vorwiegend 
oder ausschließlich als ein selbständiges Gebilde für sich, unabhängig 
von ihren Trägern, erfaßt wird. Darnach ergeben sich, wie gesagt, vier 
verschiedene Arten der Gemeinschaft: die volle (oder persönliche) Grup- 
pengemeinschaft, die rein persönliche Gemeinschaft, die abstrakte Grup- 
pengemeinschaft und die außermenschliche oder unpersönliche Gemein- 
schaft. 
Die älteste von diesen vier Formen ist die persönliche Gruppen- 
gemeinschaft. Sie hat ihren Vorläufer bereits in der tierischen Herde, 
aus der wir uns die menschliche Horde als Urform des menschlichen Zu- 
sammenlebens hervorgegangen denken können. Die übrigen drei For- 
men können wir uns aus dieser teils durch eine Art Spezialisierung, d. h. 
Verengung des Gemeinschaftsinhaltes, teils durch eine Fortentwicklung 
in der Richtung des Steigens der Kopfzahl entstanden denken. Die 
rein persönliche Gemeinschaft entwickelt sich so aus dem Gruppenleben, 
indem die in ihr mitgegebenen persönlichen Beziehungen in Gestalt der 
Freundschaft oder der Ehe eine stärkere Ausbildung eben bis zur Ge- 
meinschaft erfahren. Die unpersönliche Gemeinschaft aber wächst her- 
vor aus der Bedeutung, die allerlei Symbole und Werke besigen, indem 
z. B. die religiösen Symbole zum Gegenstand der Gemeinschaft werden. 
Endlich die unpersönliche Gruppe entsteht aus der persönlichen Gruppen- 
gemeinschaft durch Vergrößerung der Kopfzahl, die notwendig schließ- 
lich eine persönliche Fremdheit der heteiligten Individuen mit sich 
bringt. 
2. Die volle Gruppengemeinschaft tritt da auf, wo die 
Gruppe in ihren Mitgliedern verkörpert erscheint. Die Beteiligten er- 
fassen hier die Gruppe vorwiegend oder ausschließlich in ihren Mitglie- 
dern, und umgekehrt fassen sie diese Mitglieder nicht als Persönlichkeiten 
auf, die als solche ein Gegenstand der sozialen Beziehungen sind. son- 
Vierkandt. Gesellschaftslehre
	        
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