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Anhang.
Breslau, und dort auf dem jüdischen Friedhofe wurde
Lassalle an der Seite seines Baters begraben.
Um den durch den Tod des „großen Agitators" zu
befürchtenden Zerfall des noch jungen „Allg. deutschen Arb.-
Vereins" zu verhüten, wurden in allen Städten, wo der
Bercin Mitglieder hatte, Todtenfeiern veranstaltet. „Den
„Todtenfeiern", schreibt B. Becker, „zu denen ich den Anstoß
„gab, lag die vom Parteiinteresse eingegebene Absicht zu Grunde,
Iden die sociale Demokratie mit einem großen Nachtheil be<
Idrohenden Tod Lassalle's als Parteikitt zu benutzen. Denn
Ida die Nachricht von dem Tode des bisherigen Führers
„leicht die zum Allgemeinen deutschen Arbeitervereine gehören
„den Arbeiter dahin bringen konnte, daß sie, am Gelingen
„des angestrebten Zieles verzweifelnd, die socialistische Agitation
„aufgaben, so schien die Todtenfeier das geeignete Ruttel zu
„sein, um dem Schmerz und der Trauer über den dahinge-
„schiedenen Parteiführer zur Anspornung des Eifers und zum
„erneuten Angelöbnisse des Festhaltens zu verwerthen. Leider
„war mit der Anwendung dieses Mittels die Jnkonvenicnz
„verknüpft, daß sowohl ein demokratischer Heiliger geschaffen
„wurde, als auch, daß sich Sophie von Hatzfeldt als „einziger,
Ijedenfalls bester Freund" in den Vordergrund drängen und
„bei der Leichtgläubigkeit gewisser Schwachtöpfe einen störenden
„Einfluß geltend machen konnte. Allein in Anbetracht des
„Reifegrades vieler Arbeiter war jenes Mittel nun einmal
I unvermeidlich. Viele glaubten nicht nur, daß Lassalle für
„'sie gestorben sei, sondern es gab sogar und gibt wohl noch
'I jetzt manche Arbeiter am Rhein, welche es sich nicht m,S<
Ireden ließen, daß Lassalle, weit davon entfernt, todt zu sein,
„sich nur auf einige Zeit zurückgezogen habe, um in neuer
„Glorie wieder zu kommen und dann nach Art des Menschen-
„sohnes am jüngsten Tage die Lebendigen und die Lvdten zu