Full text: Gesellschaftslehre

Die Gesellschaft im Sinne von Tönnies. 
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heben sich die Verhältnisse scharf ab sowohl von den Gemeinschafts- wie 
auch von den Sachverhältnissen. An sich kommen freilich die Rechts-, 
Kampf- und Machtverhältnisse auch innerhalb der Gemeinschaft vor; 
aber dann sind sie gleichsam in die Gemeinschaft eingebettet und des- 
wegen nicht in der vollen Entfaltung’vorhanden, deren sie aus ihrer Na- 
tur heraus fähig sind. In einem Macht- und Kampfverhältnis kann ferner 
der Mensch auch Sachen gegenüberstehen (nur vom Rechtsverhältnis gilt 
dieser Sag nicht); aber dieser Fall schaltet für unsere Betrachtung 
naturgemäß aus, weil er nicht dem Bereich der Sozialwelt angehört. Wir 
betrachten das Macht- und Kampfverhältnis nur, soweit es gegen Perso- 
nen gerichtet ist, in welchem Fall beide in einer gemäßigten Form auf- 
treten, nämlich so, daß eine bestimmte Ordnung dabei anerkannt ist 
($ 23). Idealtypisch rein treten die drei Verhältnisse wie gesagt nur 
außerhalb der Gemeinschaft auf. Nur dort ist es möglich, daß z. B. das 
Rechtsverhältnis das einzige Band zwischen den Beteiligten darstellt. In 
dieser reinen Form ist gegenüber der Wärme der Gemeinschafts- und ge- 
meinschaftsnahen Verhältnisse ihnen allen eine spezifische K ä lt e eigen. 
Denken wir an reine Geschäftsverhältnisse oder sonstige reine Vertrags- 
verhältnisse oder an das reine Klassenverhältnis zwischen Ober- und 
Unterschicht oder an das Kampfverhältnis z. B. zwischen zwei Kartellen 
und stellen wir den hierdurch repräsentierten Typus dem reinen Gemein- 
schaftsverhältnis gegenüber, so sehen wir auf der einen Seite die Eigen- 
schaften der Achtung und gegenseitigen Förderung, der Hingabe und 
Liebe und auf der anderen Seite das Gegenteil: Gleichgültigkeit, Miß- 
trauen und Feindseligkeit, Rivalität und Neid, unter Umständen Verach- 
tung und Haß. — Beim Kampfverhältnis sind hierbei (vgl.$20,,7) an sich 
zwei Typen zu unterscheiden. Bei dem einen kann man angesichts der 
Leidenschaftlichkeit des Kampfes bei aller Gemeinschaftsferne nicht von 
Kälte sprechen, aber ebensowenig natürlich von einer Wärme im Sinne 
der Gemeinschaft. Vielmehr tritt uns hier eine dritte Qualität entgegen 
entsprechend der Tatsache, daß bei dieser Form des Kampfes die Men- 
schen sich gegenseitig suchen und erfassen, um sich dann gerade ab- 
zustoßen. Hierbei besteht eine enge persönliche Berührung im Sinne zu- 
nächst der Anziehung, dann der Abstoßung. Diese Form gehört natür- 
lich nicht zu den hier in Rede stehenden „sachlichen“ Verhältnissen. Viel- 
mehr ist hier eine andere Form gemeint, die z. B. für den modernen 
Wirtschaftskampf typisch ist: der Wille zur Schädigung verbindet sich 
dabei mit einer völligen Gleichgültigkeit gegen die Person. 
Wenn wir die Gemeinschaft eben ausgeschlossen haben, so ist dabei freilich ge- 
nauer betrachtet nur der Typus der persönlichen Gemeinschaft und derjenige der vollen 
Gruppengemeinschaft ausgeschlossen. Dagegen kann ein und dieselbe abstrakte Grup- 
pengemeinschaft die Beteiligten sehr wohl in sich enthalten, weil sich mit diesem Typus
	        
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