Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Soziale und politische Entwicklung des Bürgertums. 183 
kriegsuntauglichen Rüstung des ritterlichen Sportsmanns; den 
Ernst aber überließen sie den groben Spießen der Fußknechte 
aus der Gemeinde. 
So schien es, als seien die Geschlechter nicht so sehr 
Herren, als Ausbeuter der Stadt. Und sie selbst hatten dessen 
kein Hehl. Ja darüber hinaus suchten sie an einzelnen Orten 
die Gemeinde auch noch unmittelbar zu schädigen und den 
Schwächeren in ihr eine Art neuer Knechtschaft aufzuerlegen, 
indem sie sie zu Mundmannen, zu Klienten hinabdrückten. 
Trug eine solche Wendung die Aussicht der Dauer in sich? 
Es wäre nur dann möglich gewesen, wenn die Gemeinde ein 
loses Gefüge unselbständig nebeneinander gestellter Personen, 
eine Institution ohne Lebenskraft und treibende Macht eigner 
Entwicklung gewesen wäre. Indes das Gegenteil war der Fall: 
schon stand eine andere Bevölkerungsschicht, standen die Zünfte 
hereit als Erben einer neugearteten Zukunft. 
II. 
Die Veredlung von Rohstoffen besteht so lange, als von 
einer Kultur überhaupt gesprochen werden kann; und sie verläuft 
bon dem Augenblick an in häuslicher Arbeit, wo die natürliche 
Gliederung der Menschen ihren Ausdruck in Geschlecht und 
Familie gefunden hat. Und bald gehört sie zu den wichtigsten 
debensäußerungen wachsender Kultur; fast immer steht sie in 
innigster Verbindung mit den ersten Regungen des Kunst⸗ 
geschmacks, der ästhetischen Betrachtung der Dinge. So bildet 
ich jener Hausfleiß aus, der sich in der Form uralter primi⸗ 
iber Hausindustrie, im Spinnen und Weben, im Schnitzen und 
Flechten teilweise noch hindurchgerettet hat bis auf unsere Tage. 
Neben diesen Hausfleiß war aber innerhalb der deutschen 
Entwicklung bereits sehr früh, gewiß schon in vorgeschichtlicher 
Zeit, das Wandergewerbe getreten. Wie die Kaufleute der 
Urzeit, so wanderten auch einzelne Handwerker von Ort zu Ort, 
am ihre Kunst zu üben, vor allem der Waffenschmied und der
	        
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