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Die Gruppe.
sei es daß sie sich als Kulturlehre mit den Kulturgütern und Kulturen
befaßt. Wie diese Zweiteilung zeigt, umfaßt die in Rede stehende Klasse
noch andere Gebilde als die Gruppe. Bleiben wir zu-
nächst bei der legteren stehen, so können wir sagen: die Gruppe ist uns
in der Anschauung zwar nur durch menschliche Personen gegeben, geht
aber nach ihrem Wesen nicht in ihnen auf. Sie erhebt sich vielmehr
über diese durch ihre einheitliche Form oder Gestalt, die sie nicht von
den Individuen empfängt, sondern ihnen aufprägt. Die Gruppe ist also
in menschlichen Personen nur fundiert, ähnlich wie eine Melodie in
ihren Tönen. Wir können die Gruppe demgemäß als überpersön-
lichen Typus der sozialen Objektivgebilde bezeichnen.
Ihr tritt dann ein zweiter Typus gegenüber, der von un-
persönlicher Art ist. Dieser ist ebenfalls von Personen abhängig,
fällt aber in der Anschauung nicht mit solchen zusammen, sondern ist
zum Teil anschaulich nur in menschlichen Handlungen und Erlebnissen,
zum Teil anschaulich in selbständiger materieller Form gegeben. Wir
haben nämlich innerhalb dieses Typus wiederum zwei Formen zu
unterscheiden. Bei der ersten ist das Gebilde noch mittelbar ab-
hängig von Personen, indem es nur in deren Erlebnissen realisiert wird.
Es handelt sich hierbei nämlich um Zweck- und Wertzusam-
menhänge, die jeweils in menschlichen Erlebnissen aktualisiert wer-
len und im übrigen als Dispositionen ihnen - als objektive Macht
zegenüberstehen. Speziell gehören hierher die Gegenstände, auf die sich
die Gemeinschaft einer kulturellen Gruppe bezieht, wie Sprache und
Sitte, Lebensauffassung und Weltanschauung. Auch bei kleineren Grup-
pen nach Art der Familie begegnen uns ähnliche Gebilde, wie ihre Tra-
ditionen ‚und festen Lebensformen. In der gleichen Weise kann man
auch von dem herrschenden Geist in einem Institut oder Amt sprechen.
Besonders spürbar wird der objektive Charakter gewisser Einrichtungen
da, wo sie dem Versuch einer örtlichen Verpflanzung widerstehen. Noch
im modernen - Wirtschaftsleben gibt es bekanntlich Eigentümlichkeiten
der Produktion, die an der einzelnen Unternehmung oder Örtlichkeit
haften. Noch stärker ist dieses Haften des Geistes natürlich auf tieferen
Stufen. Immer ist es der einheitliche Stil, die Eigengesegßlichkeit des be-
treffenden Gebietes, die in Gestalt z. B. logischer Gesetze den Objektiv-
charakter und die Objektivkausalität dieser Gebilde ausmachen. Fragen
wir nach der Anschauungsgrundlage dieser Gebilde, so ist diese in ge-
wissen Prozessen der sie verkörpernden Menschen gegeben; jedoch sind
dabei nicht die einzelnen Menschen als solche, sondern es ist die Gruppe
als Trägerin der Gebilde wirksam. Demgemäß ist diese Form der so-
zialen Objektivgebilde in der Gruppe fundiert. Ein selb-
ständiges Dasein haben sie nur einerseits als ein System von ideellen