Full text : Gesellschaftslehre

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Die Gruppe.

Gruppe ihre Bedeutung: der Geist der Gruppe beeinflußt auch das persönliche
 Leben, sofern er sich als einheitlicher Stil im gesamten Verhalten
der Mitglieder bekundet. Der Gruppengeist als Inbegriff gewisser
 Eigenschaften und Zustände, Anschauungen und Gesinnungen der
Gruppe betätigt sich nach zwei Richtungen hin, nämlich als
einheitliche Färbung des ganzen Wesens und Verhaltens sowohl in den
Angelegenheiten der Gruppe wie in den privaten Angelegenheiten ihrer
Mitglieder. So kann unter dem Nationalgeist eines Volkes verstanden
werden einerseits der Geist der Nation als solcher, wie er sich in ihrer
Kultur offenbart; oder man kann statt dessen auch den Geist der Politik
meinen, der dem zugehörigen Staat eigen ist. Zweitens kann man dabei
aber auch an die durchschnittliche seelische Physiognomie eines Volkes
denken, also an den durchschnittlichen Typus des persönlichen Verhaltens
in ihm. Auch dieser Typus ist vom Kommen und Gehen der einzelnen
Angehörigen einer Nation relativ unabhängig.
Die gestaltende Wirksamkeit, die die Gruppe so auch auf das persönliche
 Leben ihrer Genossen ausübt, hat zu einem Teil einen normativen
 Charakter, nämlich in Gestalt der Lebensordnung der Gruppe, die
[ür das Verhalten ihrer Angehörigen einen Rahmen schafft. Diese
Lebensordnung kann man auch noch zu den eigenen Angelegenheiten der
Sruppe rechnen, jedoch mit der Einschränkung, daß sie als solche nur
{ormalen Charakter besigt. Über diese normative Beeinflussung hinaus
aber greift der Geist der Gruppe rein tatsächlich gestaltend in das Leben
seiner Mitglieder ein. Alles, worin sich eine gewisse Stileinheit des ganzen
 Verhaltens bekundet, ohne daß ein Gruppenwillen als solcher aus-Jrücklich
 auf ihre Erhaltung gerichtet wäre, gehört hierher. Innerhalb
der modernen Kultur zählen hierher z. B. Tendenzen wie der Kapitalismus
 oder der Rationalismus, die zwar Mächte von der stärksten Objektivität
 bedeuten, jedoch keinen normativen Charakter haben. Wie wenig das
leötere der Fall ist, geht schon daraus hervor, daß diese Mächte heute
vielfach als Dämonen empfunden werden, in deren Wesen Licht- und
Schattenseiten untrennbar verbunden sind und mit denen wir auf alle
Fälle rechnen müssen. Die gestaltende Beeinflussung der Gruppe in
liesem Sinne reicht sehr weit. Selbst die statistische Gesegmäßigkeit
rechnet Durkheim mit Recht noch hierher, also die Regelmäßigkeit in der
Häufigkeit der Selbstmorde, der Eheschließung, der Verbrechen usw.
Daß diese zunächst rein individuellen Phänomene überhaupt eine zahlenmäßige
 Regelmäßigkeit zeigen, beruht bekanntlich darauf, daß ihnen
neben den rein individuellen auch soziale Ursachen zugrunde liegen und
mit dem Wachsen der Anzahl der Fälle die ersteren immer mehr zugunsten
 der legteren zurücktreten, das Gesamtphänomen also nur von den
            
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