fullscreen: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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Person in dem geschilderten Kreise u. dergl. mehr. Allein schon 
früh läßt sich doch bei ihm hierüber hinaus ein besonderer Sinn 
für die Entwicklung der Charaktere wahrnehmen. Oder besser: 
die Auswicklung der Charaktere, den Prozeß, in dem sich ge— 
wisse Charaktere von klar und abgeschlossen gegebenen Potenzen 
her unter gewissen Umständen zu deren voller Entfaltung fort— 
hewegen. Darum liegt ihm in seinen Dramen von vornherein 
die Charakterstudie nahe; Vockerat in den „Einsamen Menschen“, 
College Crampton, die Wolffen im „Biberpelz“ sind solche 
Charaktere, die er besonders eingehend studiert hat, ohne sie 
freilich im Zustandsdrama anders als in ihrer jeweiligen Lebens⸗ 
breite, gleichsam im Querdurchschnitt zu erfassen. War es 
aber denkbar, daß einer ausgesprochenen Begabung solche Experi— 
mente genügten? Schon vor allen Dramen, die heute bekannt 
sind, hat Hauptmann in seinen Skizzen das Problem tiefer zu 
fassen gesucht. Sind nun diese Skizzen der Zeichnung des 
Abnormen gewidmet und insofern besonders geeignet, nicht 
über den Charakter der Studie hinaus zu wachsen, so läßt sich 
in den neunziger Jahren das wachsende psychologische Interesse 
des Dichters auch in den Dramen verfolgen. So vor allem 
in der „Versunkenen Glocke“: es ist das erste Stück, in dem 
Hauptmann den Versuch einer Auswicklung des Charakters 
seines Helden macht und sich damit dem eigentlichen psycho— 
logischen Drama nähert. Aber noch war dieser Versuch nur 
ein tastender, und der Märchenton schloß von vornherein eine 
naturalistisch feiner ciselierte Charakterschilderung aus. Sollte 
ein volles Seelenleben in seiner Entwicklung zur Darstellung 
gelangen, so war auf das reine Drama zurückzugreifen. 
Im Jahre 1899 erschien Hauptmanns „Fuhrmann 
Henschel“. Das Milieu ist das alte schlesische, auch die Technik 
im einzelnen ist die alte. Es wird z. B. schlesisch gesprochen, 
und die Personen sind schon in den Schattierungen der Sprache 
charakterisiert, und zwar so fein wie im „Biberpelz“; der 
Kellner George aus Meißen, in Schlesien thätig, spricht sächsisch 
mit schlesischem Anklang, wie die Wolffen im „Biberpelz“ auf 
schlesisch berlinert. Neu aber ist der Charakter der Fabel.
	        
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