Full text : Gesellschaftslehre

Gegenseitige Hilfsbereitschaft.

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gliederung einer Anzahl einschlägiger Fälle. Die englischen Gewerkschaften
 haben seinerzeit die Unterstügung ihrer arbeitslosen Mitglieder nicht
aus Teilnahme schlechtweg, sondern aus Furcht vor Unterbietung in den
Löhnen eingeführt: sie wollten, wie mehrfach ausdrücklich erklärt wurde;
nicht in erster Linie jene vor Elend, sondern sich selbst vor Herabdrükkung
 der Löhne schüßen, als ob die Gruppe solidarisch einen Angriff der
Unternehmer auf Herabsegung der Löhne abwehren wollte, der sich zunächst
 gegen einen Teil, nämlich die Arbeitslosen richtete!). Ebenso
ist es bekanntlich mit der Loyalität als einer spezifischen Tugend ‚des
Adels. „Man, geht zusammen, solange es paßt; manus manum lavat“,
läßt Fontane einmal einen Angehörigen dieser Schicht sagen. Ähnlich
sagt Bismarck über die von ihm unterschiedenen Abstufungen der
monarchischen Gesinnung: „Ein gewisses Maß der Hingebung wird durch
die Gesegße bestimmt, ein größeres durch politische Überzeugung; wo es
darüber hinausgeht, bedarf es eines persönlichen Gefühls von Gegenseitigkeit,
 das bewirkt, daß treue Herren treue Diener haben, deren Hinzebung
 über das Maß staatsrechtlicher Erwägungen hinausreicht.‘“ (Gedanken
 und Erinnerungen II, 291.) Endlich sei erinnert an die vielen
humanen Bestrebungen unserer Zeit, wie sie sich vorzüglich auf dem
Gebiete der Volksgesundheit, der Rechtspflege, der Jugendfürsorge und
der Bekämpfung der Trunksucht, der Kriminalität der Jugendlichen, der
übermäßigen Arbeitsdauer, der ungesunden Wohnungsverhältnisse usw.
entfaltet haben. Die Übelstände, deren Beseitigung hier angestrebt wird,
sind derart, daß auf die Dauer durch sie das Wohl der gesamten Nation
bedroht erscheint. Eine gewisse Vorstellung eines solchen Zusammenhanges
 und die Befürchtung einer entsprechenden Gefährdung hat sich
bei uns allmählich in weiteren Kreisen zu regen begonnen Es ist hier
ähnlich gegangen wie mit den Anfängen der sozialen Reform in England:
 solange man nur an die Güte und Humanität appellierte, waren
die Bemühungen vergeblich. Empfänglich waren weitere Kreise erst,
als ansteckende Krankheiten aus den Heimstätten der Kleiderindustrie
sich weiterzuverbreiten begannen, als nach einem bitteren Worte Kingsleys
 die Blattern im Osten Londons auch die Blattern im Westen zu
verbreiten drohten. Allgemein kann man so sagen, daß Reformen, die
eine Hebung der unteren Schichten bedeuten, mehr auf utilitarischen als
auf idealistischen Beweggründen beruhen. Die einfache Humanität der
Gesinnung ist nur bei wenigen kräftig genug. Sie findet einen Widerhall
bei den breiten Massen erst dann, wenn diese sich, freilich mehr gefühlsmäßig
 instinktiv als klarbewußt. auch in ihrem eigenen Gedeihen bedroht

‘X

Webb. Geschichte und Theorie der Gewerkschaften I. 144.
            
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