Full text: Gesellschaftslehre

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Die Gruppe. 
reits früher ($ 32,,) erwähnte Abgeben von Nahrungsmitteln gehört zum 
Teil hierher. Wenn es sich auch von Haus aus als ein Abgeben des Über- 
Aüssigen darstellt, nämlich ein Abgeben von tierischen durch die Jagd 
gewonnenen Nahrungsmitteln, die ohne dieses zum Teil verderben wür- 
den, so finden wir doch in manchen Fällen genaue Regelungen über die 
Teilung der Beute, deren strenge Beobachtung im einzelnen gegen die 
Neigung des Jägers gehen kann. Alsdann muß auch hier der Druck der 
Gruppe hinzutreten. — Bis auf die Höhe unserer Kultur gilt dasselbe 
ferner von den Leistungen und Opfern, die der Krieg von den Kämpfern 
und Nichtkämpfern fordert: gewiß ist bei den Beteiligten selbst Kampfes- 
lust, Mut, Nationalgefühl und Opferwilligkeit an sich groß, und gewiß 
wird durch die dringende Notlage die gegenseitige Hilfswilligkeit außer- 
ordentlich gesteigert; aber auch hier kommt überall der Druck hinzu, den 
die Unbeteiligten auf die Kämpfer wie auf die durch die Opfer beteilig- 
ten nichtkämpfenden Teilgruppen ausüben. — Ähnlich ist auch die Nei- 
gung zur Sauberkeit aus unmittelbarer Neigung nur in beschränktem 
Maße zu. erklären. Gewiß gibt es einen Instinkt, sich von lästigen und 
schädlichen Anhängseln wie Dornen, Steinen, Exkrementen, Blut usw. 
zu befreien. Aber von hier bis zur vollständigen Sauberkeit ist ein 
weiter Weg, der ohne die Einwirkung des Zuschauers auf den Beteiligten 
schwer zurückgelegt wäre. James hat gewiß Recht, wenn er die leg- 
tere Auffassung vertritt: ein besonders übelriechender oder schmubiger 
Kamerad ist für seinen Mitmenschen unerträglich, und dieser emp- 
findet eine Anhäufung von SchmuBß an einem andern als widerwärtig, 
gegen die er von sich aus, wenn er sie auf seiner eigenen Haut trüge, 
keine Abneigung empfinden würde. Daß wir an unsern Mitmenschen 
Dinge verabscheuen, die wir an uns selbst ertragen würden, ist ein all- 
gemeines Geseg unserer Natur‘). 
Der Typus, der eben an einigen Beispielen erläutert wurde, ist in 
der menschlichen Gesellschaft weit verbreitet. Immer wieder sind wir 
hier vor das Wunder gestellt, wie scheinbar aus der bloßen Vereinigung 
gleichgearteter und gleichdisponierter Wesen Wirkungen hervorgehen, 
die aus der Persönlichkeit des Einzelnen nicht resultieren. Denn das 
tatsächliche Verhalten und die tatsächlichen Leistungen der Menschen, 
wie sie uns im Gruppenleben entgegentreten, knüpfen zwar durchweg 
an angeborene Anlagen wie die Hilfswilligkeit, den Kampftrieb oder 
den Instinkt des Selbstgefühls an und beruhen insofernletzthin auf 
Neigung. Durchweg aber kommt dazu der Druck, den die Gruppe 
als Träger der Sitte oder mehr impulsiv vermöge ihres jeweiligen augen- 
blicklichen Interesses auf die Einzelnen ausübt. Erst durch ihn erlangt 
1) James, Principles of Psychology, II, 435.
	        
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