Der Instinkt des Selbstgefühles.
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der Reflex der Beobachtung und Anerkennung dazukommt, tritt das
soziale Selbstgefühl hinzu und wird damit zum Hauptmotiv. Ähnlich
haben wir uns vielleicht die Anfänge der Tierhaltung vorzustellen. Jägerstämme
stehen den Tieren innerlich viel näher als wir, während sie zugleich
durch die ganze Breite der Verschiedenheit zwischen Menschen und
Tieren von ihnen getrennt sind. Sie bringen ihnen daher auch ein lebhaftes
Interesse entgegen, das sich in der Neigung zum Einfangen und
Halten einzelner wilder oder halbwilder Tiere bei vielen Jägerstämmen
bekundet. Für den isolierten Einzelnen liegt der einzige Antrieb dazu
wiederum in der Freude am Sensationellen, an der Kuriosität; sowie er
aber von seinen Genossen, die diese Gefühle teilen, wegen des Besites
einer solchen Attraktion angestaunt oder um sie beneidet wird, kommt
in Gestalt des Selbstgefühls ein ganz neues Element zu dem ersten Gefühle
hinzu. Der Ansporn zur Erhaltung seines Besiges und das Interesse
an ihm erhält einen ganz anderen Charakter und ein viel stärkeres
Fundament. Die Bedeutung der Funktion des Zuschauers überhaupt
wird uns später ($ 36) eingehend beschäftigen.
In den ersten beiden Abschnitten dieses Paragraphen haben wir angedeutet,
daß sich der Instinkt des Selbstgefühls nicht betätigen kann ohne daß sich zugleich
der Trieb der Unterordnung regt. Wir haben es hier also mit der oben ($ 23)
erwähnten charakteristischen Verschmelzung entgegengesegter Triebe zu tun; die Gesamtfärbung
wird dabei freilich durch den Trieb zur Überordnung bestimmt. Der
Betrachtung des genauen Gegenstückes wenden wir uns im folgenden Paragraphen zu.
Literatur: Die Unterscheidung der beiden Arten des Selbstgefühls nach
Mc Dougall, Social Psychologiel, S. 192, der sie als Dünkel (pride) und Selbstachtung
(self respect) bezeichnet. — Über Äußerungsformen des Selbstgefühls Ausführlicheres
bei Karl Groos, Spiele des Menschenl, S.443 und bei Aloys
Fischer im Handbuch der vergleichenden Psychologie, herausg. von Gustav Kaffka,
Bd. II, Abteilung 4. S. 364 flg. — Ferner v. Gebsattel, Der Einzelne und der
Zuschauer (Zeitschr. f. Pathopsychologie II, 36 fg.) und Storch, Zur Psychologie
und Pathologie des Selbstwerterlebens (Archiv f. d. ges. Psychologie, Bd. 37, S. 113 fg.).
In beiden Abhandlungen kommt die dem Selbstgefühl notwendig zugrunde liegende
Wertgemeinsamkeit nicht voll zu ihrem Recht. — Über die etwaige Spannung zwischen
Geltungs- und Wertbewußtsein Ichheiser im Jahrb. f. Charakterol. V, 23 flg.
— Über Schamgefühl mein Artikel im Handbuch der Sexualwissenschaften?, Bonn
1925. — Über vitales Selhstgefühl: Else Vo gtländer, Vom Selbstgefühl. Leipzıgz
1910.
5. Der Instinkt der Unterordnune.
Inhalt: Die wesentliche Wurzel des Gehorsams bildet ein angeborener
Trieb zur Unterordnung. Er ist wohl zu unterscheiden von der Furcht, mit der er
tatsächlich verbunden sein kann. Wesenhaft verknüpft ist er normal mit dem Instinkt
des Selbstgefühls vermöge einer inneren Verbindung des Gehorchenden mit
dem Gebietenden, die sich typisch bekundet als Nachahmung von innen heraus, d.h.
als Wille, sich die verehrte Persönlichkeit zu eigen zu machen. Erregt wird er durch
das Wertvolle, in erster Linie durch die biologisch fundierte Macht. sowohl in