Full text : Gesellschaftslehre

Der Kampftrieb.

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elle.

sie ist getragen vom Willen der Gruppe, der sie billigt oder sogar fordert,
gegebenenfalls auf den Widerstrebenden einen Druck ausübt. Zugleich
fordert dieser Wille der Gruppe aber auch Mäßigung: er verlangt angemessene
 Vergeltung, aber nicht mehr, entsprechend dem Willen zur
Gerechtigkeit, der hierbei die Gruppe in ihrer Rolle als Zuschauer beseelt.
 (Näheres $ 25,,.) Diese geregelte Selbsthilfe entfernt
sich, wie man sieht, erheblich von dem rein impulsiven Charakter der
Rache und in geringerem Grade vom relativ impulsiven Charakter der
persönlichen Selbsthilfe. Die Gruppe ist dabei nämlich auch in dem Handelnden
 wirksam: neben dem parteilichen Ich existiert in ihm in geringerem
 oder stärkerem Grade ein überparteiliches Ich, das von dem Bewußtsein
 des Gebührenden oder der Pflicht erfüllt ist. Es ist der geregelten
 Selbsthilfe demgemäß etwas von der Empörung des Unparteilichen
 beigemengt; und in geringerem Maße gilt dies auch von der privaten
 Selbsthilfe. —
Ein eigentümliches Disziplinarmittel der Gesellschaft bildet ferner
das Necken, das durch kleinere Schwächen und harmlosere Verstöße
gegen die bestehenden Ordnungen hervorgerufen wird. Vermöge des
Selbstgefühles des Betroffnen kann es in hohem Maße erzieherisch wirken.
 Motiv aber ist lediglich die Kampffreude, also eine außersittliche
Kraft. — Klar ist weiter die Zweckmäßigkeit des Kampftriebes in der besonderen
 Form des Wettbewerbes, dessen Beweggrund entweder
das Verlangen ist, mehr gelobt zu werden oder überwiegend der Wunsch
nach mehr Anerkennung und Lob. Wie sehr durch diesen die Leistungen
gesteigert werden, bedarf keines Wortes. Endlich ist von jeher dem
Kampfe die disziplinierende und organisierende Kraft nachgerühmt
 worden, die er auf die Kampfgenossen nach innen ausübt.
Über die Beziehungen von Kampf und Gesellschaft zueinander, insbesondere
ihre gegenseitige Verträglichkeit und die verbindenden Momente im Kampf. der
innerhalb der Gesellschaft geführt wird. s. $ 25.

8. Die Bewertung der sozialen Umgebung.

Inhalt: Man kann seinen Mitmenschen im Verhältnis zu sich dreifach bewerten:
 als gleichwertig, als über- und als untergeordnet. Anderseits lassen sich nach
der Disposition zum Erfassen des Wertgehaltes seiner Mitmenschen vier Gesinnungen
 unterscheiden: die Liebe als Tendenz den Wertgehalt des andern in höchstmöglichem
 Grade zu erfassen; der Haß als das gerade Gegenteil; die Gerechtigkeit
als Tendenz weder zu hoch noch zu tief zu greifen; und die Gleichgültigkeit, die
sich um den Wertgehalt überhaupt nicht kümmert. Jede dieser vier Gesinnungen
kann sich verbinden mit jeder der drei tatsächlichen Einschägungen des Mitmenschen.
 Jedoch gibt es Kombinationen, in denen die auftretende Gesinnung zur
vollsten Entfaltung kommt. So ist das Aufblicken zum höher eingeschägten Menschen
 die günstigste Situation für die Entfaltung der Liebe: und für den Haß ehenso
das herabhlickende Einschäten.
            
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